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Shop-Systeme 2014: Blick über den Tellerrand

Vor einiger Zeit hatten wir die Frage diskutiert, wie innovationsfähig Shopsystem-Hersteller wie eBay/Magento, OXID eShop und Shopware sind bzw. sein können. Davon ausgehend habe ich mich auf einen längeren Streifzug durch das Netz begeben, um herauszufinden, wie Alternativen aussehen bzw. welche spannenden Entwicklungen diesbezüglich auf uns zukommen könnten. Herausgekommen ist eine Auflistung, die nicht den Anspruch hat, homogen, objektiv oder erschöpfend zu sein, sondern die lediglich als Diskussionsgrundlage dienen soll.

Forward

Forward ist ein System aus den USA. Es handelt sich dabei nach eigenen Angaben um ein kleines, selbstfinanziertes Team rund um die Gründer Eric Ingram und Alex Andon, das ein unter einer OpenSource-Lizenz veröffentlichtes Produkt auf den Markt bringt. Derzeit befindet sich Forward in der Alpha-Phase, ähnlich wie bei Sellvana können Interessenten bereits im Vorfeld eine Einladung zur Preview anfordern. Eine Demo ist bereits verfügbar, sodass man sich die wichtigsten Funktionen sowohl des Front- als auch des Backend live ansehen kann.

Zur zugrundeliegenden Technik erfährt man:

  • Basiert auf der Dokumenten-basierten MongoDB (andere DB-Technologien sollen möglich sein) sowie PHP
  • Zur Darstellung von Frond- und Backend wird Twitter Bootstrap verwendet.
  • Die Template-Sprache ist so konzipiert, dass darüber die eigene REST-API angesprochen wird.

Leaphly

Leaphly basiert auf Symfony2 und genau genommen handelt es sich dabei nicht um eine E-Commerce-Software oder ein Framework, sondern um eine Warenkorb-Applikation. Getreu den Prinzipien der Serviceorientierten Architektur (SOA) konzentriert sich Leaphly ausschließlich darauf, REST-basiert Warenkörbe zu erzeugen bzw. zu manipulieren. Das Projekt steht unter MIT-Lizenz, der Quellcode wird auf github gehostet.

Sellvana

Bei Sellvana handelt es sich um eine neue, PHP-/MySQL-basierte Applikation, die von einem kleinen Team rund um Boris Gurvich, einem ehemaligen Magento-Core-Entwickler, vorangetrieben wird. Das Projekt, das im Februar eine 5 Mio.-Dollar-Seed-Finanzierung von unbekannten Investoren erhalten hatte, befindet sich derzeit in einer Closed-Alpha-Phase und soll im Laufe des Jahres unter einer OpenSource-Lizenz (OSL3) veröffentlicht werden.

Die technischen Features sind unter anderem:

  • Basis ist das eigens entwickelte Fulleron Framework
  • Sowohl im Front- als auch im Backend kommt Twitter Bootstrap zum Einsatz.
  • Twig als Template-Engine
  • Hochgradig modularisiert, Konfiguration via YAML

Seit Beginn des Jahres wurde Sellvana von einigen Entwicklern genauer unter die Lupe genommen. Alan Storm konstatiert in seinem lesenswerten Beitrag:

Magento, Zend, and even Symfony, while great projects, all feel like a bunch of java and C# developers got together and built something with PHP. Sellvana, and its Fulleron framework, feel more like a native, modern, PHP system: Enough structure to contain and corral PHP, without sacrificing performance up front.

Weitere Quellen:

SOFA.IO

Das jüngst veröffentlichte SOFA-SDK stammt von der Hannoveraner Firma Couchcommerce, die sich auf Shop-Frontends für mobile Endgeräte spezialisiert hat. Mit dem System lassen sich Single-Page-Apps auf der Basis von AngularJS erstellen, die sich wie native Apps bedienen lassen und Interaktionsvarianten wie “Pinch” und “Zoom” unterstützen. Das SDK steht auf github unter GNU-GPL-Lizenz zur Verfügung. Damit lässt sich zum einen die kommerzielle Couchcommerce-API ansprechen, zum anderen ist es auch möglich, den Code zum Aufbau einer Standalone-Anwendung zu verwenden. Auf der Website gibt es einen Demoshop, Kunden wie Arktis und Runtastic haben die Technologie bereits im Einsatz.

Weitere Quellen

SPHERE.IO

Mit SPHERE.IO von Commercetools konzentriert sich das Unternehmen aus München darauf, eine performante und skalierbare Restful-API zur Verfügung zu stellen, die man für das eigene Onlineshop-Projekt in beliebiger Weise nutzen kann. Produktdaten können mittels des eigens entwickelten, Cloud-basierten PIM gepflegt und zentral vorgehalten werden, deren Frontend-Präsentation obliegt den jeweiligen Projektvoraussetzungen bzw. dem Implementierer. Um mit der API zu arbeiten, stellt Commercetools eine Reihe von SDKs, ein Command-Line-Toolkit und diverse Templates via github quelloffen bereit. Auf Basis der SPHERE-Technologie wurden bereits diverse Projekte umgesetzt, wie beispielsweise der Marktplatz Department47 und der Onlineshop Petobel.

Technische Fakten:

  • Verwendung von Elasticsearch für Suche und Analyse
  • MongoDB zur Speicherung der Katalogdaten
  • Der Kern der Software wurde in Scala geschrieben.

Weitere Quellen:

Spree Commerce

Bei Spree Commerce handelt es sich um eine Ruby-on-Rails-Applikation, die unter einer New-BSD-Lizenz veröffentlicht wird und deren Source-Code auf github gehostet wird, wo mittlerweile gut 500 Mitwirkende am Projekt mitarbeiten. Spree wird seit 2007 entwickelt, hat 2011 ein Seed-Investment von 1,5 Mio. Dollar erhalten und Anfang dieses Jahres weitere 5 Mio. Dollar für den Ausbau seiner OpenSource-Strategie eingesammelt. Für die Software existieren Demos sowohl für das Front- als auch das Backend, vorab muss man sich zu deren Nutzung jedoch registrieren. Es gibt zahlreiche Referenzprojekte, unter anderem 3D Robotics und Lavazza.

Weitere Quellen

Sylius

Mit dem Claim “Built on the shoulders of open source giants” geht das von Paweł Jędrzejewski 2011 initiierte und von mittlerweile gut 140 Mitwirkenden weiterentwickelte Sylius ins Rennen. Die Applikation basiert auf dem bekannten Symphony2-Framework und wird unter einer OpenSource-Lizenz (MIT) veröffentlicht. Interessierte können sich eine Demo des Store-Frontends ansehen, es gibt außerdem bereits eine Reihe von Sylius-Referenz-Projekten wie beispielsweise www.sommelier-prive.de. Auf der Sylius-Website findet man weiterhin eine umfangreiche Dokumentation und eine Roadmap. Der Source-Code ist auf github gehostet. Vom technischen Standpunkt ist neben der Symfony-Basis die Tatsache interessant, dass Sylius nach den Prinzipien des Behaviour Driven Development (BDD) entwickelt wird und umfangreiche behat-Tests enthält.

Weitere Quellen:

Thelia

Ähnlich wie Sylius setzt auch das auf Frankreich stammende Thelia auf Symfony2 auf. Die von der französischen Agentur OpenStudio gepflegte Applikation wird unter der LGLP-Lizenz veröffentlicht, der Sourcecode liegt auf github. Standardmäßig werden das Foundation-Framework und Smarty genutzt. Es sind Live-Demos sowohl für das Frontend als auch das Backend verfügbar, außerdem nutzen mehrere Onlineshops wie beispielsweise be-wak.fr Thelia produktiv.

Weitere Quellen


Und nun die Preisfrage(n): Welche spannenden Projekte gehören Eurer Meinung nach noch in diese Liste? Welches sollte gestrichen werden und warum? Oder habt Ihr möglicherweise “hands-on” mit einem der Kandidaten gearbeitet und wisst Interessantes zu berichten? Ich freue mich auf eine rege Diskussion in den Kommentaren!

(Bild von Lexi Blue)

6 Gedanken zu „Shop-Systeme 2014: Blick über den Tellerrand

  1. Alexander Hofmann

    Sehr guter Überblick!

    Bei unserer letzten Markt-Recherche fanden wir v.a. in Frankreich aber auch anderen EU-Ländern und Australien Shopsysteme, die aufgrund Ihres lokalen Fokus (Nutzung nur für nationale Unternehmen möglich) in Deutschland leider keine Bedeutung haben. Auch wenn die obigen „Startups“ überwiegend in den USA entwickelt werden und die Durchsetzung im Heimat-Markt gefolgt von dem internationalen „Ausrollen“ vermutlich noch Jahre dauern wird, ist gerade der Blick auf neue Architekturen wie auch neu Funktionalitäten für die etablierten Shopsysteme absolut notwendig, um nicht links überholt zu werden…

    Bin ebenfalls über erste praktische Erfahrungsberichte über die obigen Shoplösungen gespannt!

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  2. Stephanie

    Danke für diesen Überblick !

    Bezüglich Thelia, Standardmäßig werden das Bootstrap-Framework und Smarty genutzt, nicht das Foundation-Framework. Aber es ist möglich das Foundation-Framework zu benutzen !

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