Adobe kauft Magento – und alle so: WTF?

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Es war eigentlich ein ruhiger Pfingstmontag, doch dann ließ Adobe die Bombe platzen: Für $1,68 Mrd. sicherte sich der Softwaregigant den Shoptech-Anbieter Magento, pünktlich zum 10-jährigen Bestehen.

Was wir wissen

Bereits zum dritten Mal wechselt Magento nun den Besitzer. Nach dem ersten Verkauf an eBay und den dortigen Turbulenzen (Aktivistische Investoren, Abspaltung von Paypal, etc.) ging es samt GS1 Commerce 2015 unter das Dach von ein paar Private-Equity Häusern. Nach einem weiteren Investment Anfang 2017 durch Hillhouse Capital in Höhe von $250 Mio. sah es ziemlich gut für den Veteranen der Shoptech-Szene aus. Besonders die Kontakte von Hillhouse Capital in Asien sollten den nächsten Turbo für Magento zünden und somit weitere Märkte erschließen. Doch nun kam es anders.

Auch wenn $1,68 Mrd. für viele Beobachter eine Menge Holz ist: Bei einer Marktkapitalisierung von knapp $120 Mrd. und einem Free Cash Flow von $2,7 Mrd. allein in 2017 ist die Akquisition von Magento finanziell kein Problem für Adobe. Das wird auch unterstrichen durch die Ankündigung vom selben Tag, $8 Mrd. in ein Aktienrückkaufprogramm zu stecken, also nochmal 4,75 Magentos. Die angegeben $150 Mio. Umsatz in 2017 ergeben damit einen Multiple von 11,2 auf den Umsatz, sogar knapp unter dem vom Salesforce/Demandware Deal ($2,8 Mrd. Bewertung bei einem Umsatz in 2015 von $237 Mio. ergibt 11,8). Aus Sicht der Zahlen also passend in den Markt und die Möglichkeiten.

Was spannend wird

Der größte Stakeholder in dieser Geschichte ist wohl die Magento-Community. Mit 300.000 Entwicklern ist sie die unbestritten größte Shoptech-Community der Welt und auch eines der größten Assets von Magento. Wie schon nach dem Verkauf an eBay machen sich nun Bedenken breit, dass die Entwickler in die zweite Reihe rücken und mittelfristig die Community Edition sogar abgeschafft wird.

What Adobe are very good at is monetisation. Magento is going to the cloud, let us stop even having that debate. If I were a hosting company on Magento I’d be looking to pivot, that space is totally dying and I’d not be surprised if the Community edition is slowly demoted and then removed in the next 3-5 years.

Hingegen erwartet die Meet Magento Association, dass Adobe die Kraft und Macht der Community erkennt und weiterhin als Kern der Marke und des Produkts versteht. In die gleich Kerbe schlägt auch Adobe selbst und versucht die Wogen zu glätten. Wir sind gespannt, ob das klappt.

Weiterhin wird es spannend für die anderen Commerce-Tech Anbieter, welche ebenfalls mit Adobe zusammenarbeiten, bzw. gearbeitet haben. Magento wird sich hier sicherlich nicht als Primus Inter Pares positionieren, sondern eine klare Pole Position bei allen zukünftigen Anstrengungen von Adobe einnehmen. Die Frage ist hier auch, inwieweit Kunden noch Projekte angehen werden, bei denen die zukünftige Ausrichtung der Integrationen zu einem gewissen Prozentsatz ungewiss ist. Die Kollegen von Forrester haben da ebenfalls eine dedizierte Meinung zu:

Now, this the beginning of the end where competitors are concerned. Adobe’s more than 10 ecommerce partnerships — they state they will continue to support — will most assuredly be starved of new leads and future technical support will likely be limited, as the strategic focus shifts to Magento.

Auch wird es interessant zu beobachten, wie weit sich Magento mit ihrem Cloud-Ansatz in den kommenden Jahren noch weiterentwickeln wird. Als On-Premise-System mit beschränkter Multitenant-Fähigkeit sind die Optionen aus technischer Sicht eher begrenzt, eine echte Cloud-Plattform steht in den Sternen. Der Ansatz scheint eher in die Richtung eines standardisierten und gemanagten Setups mit vielen Einstellungsoptionen bzgl. Caching, etc. zu gehen. Ob eine solche Lösung einem wirklichen Problem eines klassischen Adobe-Kunden gegenübersteht bezweifele ich stark.

Zudem ist auch die technische Integration eine Herausforderung. Eine direkte Integration einer Zend1-basierten PHP Applikation in eine ungemein komplexe Java-Applikation wird hoffentlich gar nicht erst probiert. Es helfen dabei nur Schnittstellen, auf die wir sehr gespannt sind.

Weitere Meinungen

Wir werden die Thematik in den kommenden Tagen weiter begleiten und auch am Freitag im TWiST aufgreifen. Lasst uns gerne Eure Meinungen hier zukommen, wir freuen uns auf das Feedback.

Zudem hat sich Jochen von Exciting Commerce ebenfalls dazu geäußert: 10 Jahre Magento – und Adobe übernimmt bei Umsätzen von $150 Mio.

Martin Möllmann startete sein E-Commerce-Abenteuer 2012 im Produktmanagement von Mister Spex. Im Anschluss verantwortete er bei commercetools den Produktbereich und ist seit 2017 bei Flaconi in gleicher Rolle angestellt.

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