7 Tage im Leben der Intershop AG – Kapitalerhöhung, Übernahmeangebot, Umsatzeinbruch

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Es waren spannende Tage für Intershop. In der vergangenen Woche gab es ein Menge News aus dem Jentower, die sicherlich einzeln eine Neuigkeit sind, in der Summe jedoch eine ganze Geschichte erzählen. Aber der Reihe nach.

+++ 14.02.2019 +++ Intershop Communications AG schließt Kapitalerhöhung erfolgreich ab und erweitert Spielraum für Cloud-Transformation

Am Tag der Liebe gibt es auch etwas Liebe für Intershop, hier in Form von fast 5 Mio. € durch eine erfolgreiche Kapitalerhöhung, die an diesem Tag abgeschlossen wurde. Angekündigt wurde diese bereits Anfang Januar und in diesem Zuge auch mitgeteilt, wofür man das Geld benötigt:

Die Kapitalerhöhung dient der Finanzierung der Transformation des Geschäftsmodells von Softwarelizenzen hin zu wiederkehrenden Cloud-Erlösen. Dazu wurde im Frühjahr 2018 die Intershop Commerce-as-a-Service-Lösung im Markt eingeführt und im Jahresverlauf 2018 bei zahlreichen Kunden implementiert. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung soll die Vermarktung der neuen Lösungen weiter beschleunigt werden.

Pressemitteilung vom 09.01.2019 der Intershop Communications AG

Grundsätzlich war es keine Überraschung, dass dieses Angebot von den Investoren gut angenommen wird. Der Preis für die neuen Aktien wurde auf 1,14 € festgelegt, während der eigentliche Kurs Anfang Januar bei über 1,30 € lag – nach Adam Riese direkt 15% Gewinn! Zudem gab es zwei Tage nach der Ankündigung eine eigene Meldung, dass doch die Transformation zum Cloudgeschäft im 4. Quartal Fahrt aufnimmt und man eine starken Anstieg beim Auftragseingang verbuchen konnte. Meine Meinung zu diesem „Zufall“ hatte ich bereits in unserem TWiST #139 ab 28:23 kundgetan.

+++ 18.02.2019 +++ Intershop Communications AG: Vorstand begrüßt das mit dem Übernahmeangebot geäußerte nachhaltige Vertrauen seiner Ankeraktionäre

Bereits am 15.02.2019 gab es ein offizielles Übernahmeangebot von den beiden Ankerinvestoren, der Shareholder Value Managament AG und der Shareholder Value Beteiligungen AG. Intershop braucht ganze 3 Tage, um darauf zu reagieren, ist dann jedoch angetan. Also wird Intershop jetzt übernommen? Eher nicht. Ein kleiner Exkurs ins Aktienrecht:

Sobald ein einzelner Investor mehr als 30% der Aktien an einem Unternehmen hält, kann er dazu verpflichtet werden, ein Übernahmeangebot für die restlichen Anteile abzugeben. Mit dieser Regelung sollen kleinere Aktionäre geschützt werden, da man bei einer normal besuchten Hauptversammlung mit 30% bereits eine stabile Mehrheit hat. Die beiden Investoren hatte laut offiziellen Angaben im Dezember 2018 bereits 27,8% der Aktien auf sich vereint. Es nun nicht ganz unwahrscheinlich, dass durch die Kapitalerhöhung die magische Grenze von 30% durchbrochen wurde und sie in Zugzwang gebracht hat.

Das Übernahmeangebot selbst ist kaum der Rede wert. Die angebotenen 1,39 € sind geringer als der Schlusskurs von 1,42 € vom Vortag der Ankündigung (14.02.). Seitdem ging es auch nicht nach unten, sondern eher nach oben. Zudem versucht man das Angebot als Ausweg für Kleinaktionäre zu verkaufen:

Das geplante Übernahmeangebot bietet allen Aktionären der Intershop Communications AG die einmalige Gelegenheit, ihre vergleichsweise illiquiden Aktien kosteneffizient andienen zu können.

AdHoc-Mitteilung der SVM/SVB vom 15.02.2019

Spannend ist aber definitiv die Begründung, die von den beiden Investoren ins Feld geführt wird:

Die Bietergemeinschaft aus Shareholder Value Management AG & Shareholder Value Beteiligungen AG hat die Intershop Communications AG seit 2016 schon mehrfach mit Kapital in der CAAS-Umstellung unterstützt. Da die neue CAAS-Strategie mutmaßlich zu weiteren kurzfristigen Umsatz- und Ergebnisschwankungen führen kann, erscheint es den Bietern wahrscheinlich, dass es auch in der Zukunft zu weiterem Kapitalbedarf kommen könnte. 

AdHoc-Mitteilung der SVM/SVB vom 15.02.2019

Das, was man bei Intershop selbst nur zwischen den Zeilen lesen konnte, wurde hier als Begründung für das Angebot herangezogen: Die Transformation hin zum Cloud-Anbieter wird teuer, (zumindest anfänglich) einen negativen Einfluss auf den Umsatz haben und zu einem weiteren Kapitalbedarf führen. Die gerade eingenommenen 5 Mio. € werden eher nicht ausreichen. Kein Wunder, dass sich Vorstand über diese Unterstützung freut:

Der Vorstand hat die Angebotsentscheidung zur Kenntnis genommen und begrüßt das damit von den Bietern zum Ausdruck gebrachte Vertrauen in den strategischen Kurs der Cloud-Transformation und ihr Bekenntnis zu einem kontinuierlichen Engagement bei Intershop.

Pressemitteilung vom 18.02.2019 der Intershop Communications AG

+++ 20.02.2019 +++ Intershop-Geschäftsentwicklung in 2018 von der Transformation zum Cloud-Anbieter geprägt

Was jetzt noch fehlte, war eine offizielle Bestätigung für das, was in der Mitteilung der Investoren schon angekündigt wurde – schlechte Zahlen.

– Gesamtumsatz von 31,2 Mio. Euro (Vorjahr: 35,8 Mio. Euro)

– EBITDA von -3,7 Mio. Euro (Vorjahr: 2,8 Mio. Euro)

– EBIT von -5,9 Mio. Euro (Vorjahr: 0,4 Mio. Euro)

Pressemitteilung vom 20.02.2019 der Intershop Communications AG

Begründet wurde der Einbruch mit dem aktuellen Umbruch im Geschäftsmodell vom Lizenzverkauf hin zum Cloud-Anbieter.

Die rückläufige Geschäftsentwicklung ist im Wesentlichen der Transformation vom Lizenzanbieter zum Anbieter von Commerce-as-a-Service-Lösungen über die Cloud geschuldet. Dieser Prozess führt kurzfristig zu Umsatz- und Ergebnisrückgängen, da damit eine Umstellung von sofort vereinnahmten Lizenz- auf monatlich wiederkehrende Cloud-Erlöse verbunden ist. Mittelfristig sorgen die wiederkehrenden Cloud-Umsätze jedoch für mehr Stetigkeit bei den Erlösen.

Pressemitteilung vom 20.02.2019 der Intershop Communications AG

Im weiteren Verlauf fokussiert man vor allem die Erfolge in eben jenem Cloudgeschäft, spricht von gesteigertem Auftragseingang (+238%) und höheren Margen (37% statt 32%). Was hingegen etwas verwundert sind andere Zahlen.

Auszug Finanztabellen 2018 der Intershop Communications AG vom 20.02.2019

Das die Umsätze im Produktgeschäft sinken, macht durchaus Sinn. Anstatt einmalig hohe Lizenzgebühren zu verlangen, veranschlagt man nun geringere Aufwendungen, diese aber stetig. Das jedoch die Serviceumsätze so in die Knie gehen war schon eher verwunderlich. Auch mit dem Wechsel auf die Cloud-Produkte müssen Kunden beraten und Änderungen umgesetzt werden, wenn auch an anderen Stellen. Noch mehr Fragezeichen kommen durch die gestiegenen Kosten für den niedrigeren Umsatz. Geht erstmal nicht auf.

Als zweiter Punkt staune ich über die gesunkenen Forschungs- und Entwicklungskosten (F&E). Gerade während der Einführung eines komplett neuen Produktes hätte ich hier mit höheren Aufwendungen gerechnet um dieses weiterzuentwickeln. Stattdessen scheint man eher in Richtung Spryker zu schielen und im Marketing und Vertrieb Gas zu geben. Bin gespannt, ob das aufgeht.

Zuletzt lohnt auch ein Blick auf den Cashflow, also wie viel Geld in dem Berichtszeitraum wirklich im Unternehmen verbleibt. Und das war weniger als im Jahr zuvor.

Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug im Berichtszeitraum -4,1 Mio. Euro nach 1,7 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Pressemitteilung vom 20.02.2019 der Intershop Communications AG

Heißt also, man hatte insgesamt 4,1 Mio. € weniger auf dem Konto als am Anfang des Jahres. Da kam die Kapitalerhöhung Anfang 2019 in Höhe von 5 Mio. € also zur richtigen Zeit.

Die Prognose für 2019 macht wieder etwas Mut und verspricht einen steigenden Umsatz bei weiter leicht negativem EBIT. Mit dem angenommen Wachstum von weniger als 10% wird man jedoch den Verlust von 2018 nicht auffangen können und auch 2019 unter dem Umsatzniveau von 2017 bleiben.

Eine Geschichte mit Happy End?

Das bleibt abzuwarten. Mit der Kapitalspritze konnte man den negativen Cashflow aus 2018 egalisieren, aber kaum mehr. Die Ankerinvestoren scheint man erstmal hinter der Story zu haben, aber das ist keine Garantie. 2019 soll wieder ein Wachstumsjahr werden, aber mit <10% im überschaubaren Rahmen.

Die Hauptfrage wird sein, wie sich das Cloudgeschäft im aktuellen Geschäftsjahr entwickeln wird und ob die Investitionen in dessen Markplatzierung ausreichen um ein relevanter Marktspieler in der Cloud-Riege zu werden. Es bleibt spannend im Jentower.

Ein Kommentar

  1. Im Jahr 2018 wurde das Niveau der Entwicklungsarbeiten für das Produkt beibehalten ebenso wie die Größe des Engineering-Teams. Der Rückgang der F&E-Position in der Gewinn-und Verlustrechnung ist auf die relativ spät im Jahr (Ende Q3) erfolgte Auslieferung der 7.10 zurückzuführen. Daraus resultiert eine höhere Aktivierung der Entwicklungskosten.

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