TWiST #193: Wie geht’s den Händlern in der Corona-Krise – und wie kann man helfen?

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Wir kommen um das Thema nicht herum. Mit der Schließung eines Großteils des stationären Handels – von Branchen wie Lebensmittel und Apotheke abgesehen – bricht für viele der komplette Umsatz weg, was kurzfristig Kurzarbeit, längerfristig Entlassungen bedeutet. Aber auch die Digitalen stehen vor großen Herausforderungen. Entweder werden ganze Sortimente signifikant weniger gekauft, oder die Nachfrage ist so überdurchschnittlich hoch, dass Preise erhöht und Marketing-Aktionen zurückgefahren werden müssen, um die Logistik unter Kontrolle zu halten.

Thema Home-Office: in kürzester Zeit müssen sich jetzt beispielsweise Entwickler daran gewöhnen, in den eigenen vier Wänden zu arbeiten und trotz diverser Ablenkungen (wie dem Start des neuen Streaming-Dienstes Disney+) einigermaßen produktiv zu sein. Für „Seniorige“ mag das handhabbar sein – aber das, was sie jüngeren Kollegen diesbezüglich an Erfahrung voraus haben, büßen sie spätestens dadurch ein, dass sie wahrscheinlicher eine Familie haben und neben ihrem Code noch den Nachwuchs versorgen müssen.

Die drängende Frage ist jetzt, wie können die kleinen, unabhängigen Händler gerettet werden, die bislang auf den stationären Handel gesetzt haben und sich aus welchen Gründen auch immer noch nicht zu einem Online-Kanal haben hinreißen lassen. Eine Idee sind regionale Marktplätze: hier ist unter anderem Shopware aktiv und möchte kurzfristig und schnell diese Händler ins Netz bringen. Das ist zweifellos das richtige Signal, aber ich bin unsicher, welche Bedeutung diese Art von Marktplätzen – denn davon gibt es eine ganze Menge, und das schon seit einigen Jahren – tatsächlich haben. Eine Diskussion dazu findet gerade auf Linkedin statt. In meiner Twitter-Filterblase ist man leicht skeptisch:

Aber: das sind krasse Zeiten gerade, die Digitalisierung vollzieht sich im Schnellverfahren und möglicherweise sind solche Plattformen ein wichtiger Teil der Handelslandschaft von morgen. Einen handfesten Wettbewerbsvorteil haben viele kleinere Händler jetzt immerhin: wo Amazon teilweise Lieferzeiten von über einer Woche hat, können Händler vor Ort jetzt mit schnelleren Lieferzeiten punkten.

Andere Maßnahmen zielen vor allem auf Gutscheine für ebenjene Händler: Kunden vergeben sozusagen Kleinstkredite, die in wieder besseren Zeiten eingelöst werden. Das ist gut für den Cashflow und kann in Verbindung mit sozialen Netzwerken auch virale Effekt auslösen. Aus diesem Grund wurde etwa das Shopify-Gutschein-Modul, das bislang den teueren Tarifen vorbehalten war, auch für den niedrigsten Tarif freigeschaltet.

Und fast täglich kommen neue Ideen hinzu: von Please Don’t Close, einem Verzeichnis für lokale Händler und Gastronomen bis Localivery, einem Projekt aus dem WirvsVirus-Hackathon der Bundesregierung, das Bestellungen über Messenger erreichen will – an allen Ecken wird gedacht, vernetzt, gecodet und geholfen.

Immerhin ein Lichtblick in diesen Wochen. Bleibt gesund!

(Bild: pexels.com)

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