Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

TWiST #87: Recap-Zeit

Es ist wieder Freitag und damit höchste Zeit, wieder „es ist wieder Freitag“ zu schreiben und ganz kurz auf die Shoptech-Woche zurückzublicken, die vor allem von Recaps zum code.talks commerce special geprägt war. Aus diesem Grund sei noch mal auf unseren Podcast und meinen Artikel über den Sinn oder Unsinn großer Namen auf Konferenzbühnen erwähnt. Weiteres findet Ihr in dieser Story.

Außerdem:

Schönes Wochenende!

Händler 2017: Nobelpreis oder Bürgermeister-Handschlag?

Letzte Woche fand in Berlin das commerce special der code,talks statt. Martin und ich hatten bereits vor Ort ein paar Gedanken dazu aufgenommen und in einem Podcast veröffentlicht. An dieser Stelle möchte ich aber noch auf zwei Dinge eingehen, die mir im Nachhinein noch aufgefallen sind:

Vorbilder oder Folklore?

Wie würden sich Teilnehmer eines Schreibwettbewerbs eines Deutsch-Leistungskurses fühlen, wenn ihre zarten Schreibversuche direkt und ungefiltert mit dem Gesamtwerk Thomas Manns verglichen würden? Auf der einen Seite nobelpreisgekrönte Weltliteratur, auf der anderen Seite Sätze aus dem Grammatik-Bergwerk? Dieser Gedanke drängt sich mir immer auf, wenn ein E-Commerce-Experte die Bühne betritt, eine pointiert formulierte Exegese der GAFA-Ökonomie vornimmt und ein Publikum aus ganz „normalen“ Händlern vor sich hat. Wie sinnvoll sind derartige Vorträge letztlich? Eine kleine Twitter-Umfrage, die ich während des Tom-Tailor-Vortrags dazu gestartet hatte, blieb diesbezüglich uneindeutig:

Man kann dazu mehrere Perspektiven einnehmen: Zum einen haben große Marken eine Vorbildfunktion – sieh‘ mal, was ich schaffen kann, wenn ich smart bin und mich anstrenge! Ohne Zweifel können Vorträge internationaler Player, die über ihre Strategien referieren, durchaus inspirieren und Mitarbeitern das letzte und entscheidende Argument liefern, ihren Chef endlich endlich von einer agilen Arbeitsweise (und den anderen tollen buzzwordigen Dingen) zu überzeugen. Und letztlich braucht ja jede Branche seine Helden und Legenden.

Möglicherweise gibt es auch schlicht und einfach keine bühnenfähigen Beispiele kleinerer und mittelständischer Marken und Händler? Ist es möglich, dass ihre täglichen Aufgaben und Probleme so bekannt und banal sind und ihnen schlicht und ergreifend die Antworten fehlen, die Inhalt eines sinnvollen Vortrags wären? Wenn ich etwa von der Komplexität meiner Daten erschlagen werde und meine Prozesse nicht in den Griff bekomme, welchen Mehrwert kann ich dann meinen Zuhörern noch bieten, die die gleichen Probleme haben und meinen Vortrag mit einer Hoffnung besuchen, endlich eine konkrete Lösung zu erfahren?

Eine dritte Variante: Informationen über die pfiffigen Strategien und Lösungen kleinerer Händler sind nicht einfach zu erhalten und benötigen mehr Recherche-Aufwand aufseiten des Vortragenden. Wer auf Bühnen und in den sozialen Medien in Dauerschleife den Claim „Händler müssen zu Tech-Unternehmen werden“ mit den Beispielen Amazon und Zalando untermauert, wird naturgemäß eine Menge an Quellmaterial finden und gleichzeitig das wohlige Gefühl haben, sich in guter Experten-Gesellschaft zu befinden und eine progressive Meinung zu vertreten.

Äpfel und Birnen

Angelehnt an die obige Problemstellung ist auch die nach den zugrundeliegenden technischen Lösungen. Während die einen über die Frage diskutieren, wie genau man den Umfang von Microservices und den dahinterliegenden Teams definiert, beschäftigt die anderen, ob ein Update des Kernsystems auch die Funktionsweise des eigens geschriebenen Payment-Moduls beeinflusst. Stellen die einen permanente Agilität und Innovationsbereitschaft in den Vordergrund, betonen die anderen Stabilität und Kontinuität. Ein internationaler Händler mit Milliardenumsätzen hat überraschenderweise mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen als ein regionaler Anbieter.

Besonders anschaulich wird das an dem Konzept der Microservices: Während etwa Kelly Goetsch von commercetools auf dem Shopsystem-Panel engagiert die These vertritt, dass großen Händlern keine andere Möglichkeit bleibt, Agilität wiederzuerlangen, als mittel- und langfristig auf Microservices zu setzen, vertritt Pierluigi Meloni von OXID eSales ebenso engagiert die Gegenthese, dass diese nur für mehr Komplexität sorgen und letzten Endes nur ein aufgeblasener Hype sind. Mal davon abgesehen, dass ich diese Art von Kontroversen persönlich sehr schätze, weil sie dem üblichen Feelgood-Klima dieser Panels entgegenwirken, glaube ich, dass diese Diskussion unbedingt geführt und sozusagen eine Synthese gefunden werden muss. Challenge accepted 😉

ShopTechTalks #26: Github is from Venus, Excel is from Mars

Die aktuelle Ausgabe der ShopTechTalks besteht aus einem Live-Mitschnitt meines Vortrags auf dem diesjährigen eCommerceCamp in Jena. Dort habe ich eine Session mit dem Titel „Github is from Venus, Excel is from Mars: Wie sich Entwickler und Business-Entscheider wieder besser verstehen“ gehalten und genauer beleuchtet, warum es in Projekten sogar bei scheinbar Selbstverständlichem so häufig Verständigungsprobleme gibt.

Überrascht hat mich, wie rege die Beteiligung des Publikums war und wie kontrovers teilweise diskutiert wurde. Im Mitschnitt kommt das leider nicht zur Geltung (der Sound war einfach zu schlecht, daher musste ich die entsprechenden Passagen herausschneiden), aber bei Carmen kann man dazu mehr lesen (und sich dabei gleichzeitig prima unterhalten lassen).

Die zugehörigen Slides findet Ihr auf Slideshare.

TWiST #83: Internetworld, Internet down

Mit diesem reißerischen Titel geht’s in einen neuen Shoptech-Freitag und wir beschließen eine Woche, in der das AWS Outage die Gemüter erregt hat. Am 28. Februar waren Teile des Amazon S3-Services für rund vier Stunden offline. Grund dafür war scheinbar ein falsch eingegebener Befehl eines Mitarbeiters, der mehr Server neu gestartet hatte als geplant. Im Detail lässt sich das bei AWS selbst nachlesen. Laut InternetRetailer waren vor allem diese Händler von der Störung betroffen:

  • Disney Store USA LLC (No. 78 in the Top 500), 1165% longer to load
  • Target (No. 22), 991% longer to load
  • Nike Inc. (No. 47), 642% longer to load
  • Nordstrom (No. 18), 592% longer to load
  • Victoria’s Secret (part of L Brands Inc., No. 28), 353% longer to load

Außerdem: Es ist wieder Messe-Zeit. Nächste Woche findet die Internet World 2017 in München statt, auf der sich wieder einige Shopsystem-Anbieter präsentieren. Ich bin selbst nicht vor Ort, hier aber zumindest eine Liste der Stände ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Schönes Wochenende!

TWiST #76: Wenn das Jahr langsam aufwacht

Es ist mehr als ein Jahr her, dass ich den letzten „TWiST“ veröffentlicht habe. Und auch wenn ich mich im jüngsten Jahresrückblick etwas despektierlich über den Mangel an Bewegung im Shopsystem-Markt geäußert habe, halte ich es trotzdem für wichtig, regelmäßig den Blick umherschweifen zu lassen – und wenn es nur dazu dient, der eigenen Bequemlichkeit entgegenzuwirken. Im schlimmsten Fall schreibe ich dann einfach: Nix passiert 🙂

Steffen Heilmann, Bereichsleiter IT von myToys beschreibt in seinem Rückblick die Lessons Learned des vergangenen Jahres. Er spricht über verschiedene technische Herausforderungen (Live-Gang neuer Shop, Einführung von Payback, Eröffnung zwei neuer Geschäfte, etc.) und beleuchtet, wie sich etwa die Entwicklungsmethodik geändert hat und welch hohe Bedeutung Kommunikation bei IT-Projekten hat. Mit Steffen haben Martin und ich vor einiger Zeit einen Podcast aufgenommen, in dem wir genauer auf die Struktur bei myToys eingehen.

Wo wir gerade bei Jahresrückblicken sind – auch von Carmen gibts wieder einen sehr lesenswerten, feinen Post (der Sprachwissenschaftler jauchzt!) über die letzten 12 Monate im Magentouniversum zu lesen (Liebe Grüße!).  TechDivision hat sich ebenfalls in einem längeren Beitrag Gedanken über Magento gemacht und die Entwicklung vor allem durch die Business- und Strategiebrille betrachtet – dazu passt auch das kurze Interview mit Peter Sheldon, ehemaliger Forrester-Analyst und mittlerweile VP Strategy bei Magento.

In hübschem thematischen Gegensatz – möglicherweise wird 2017 endlich das Jahr wirklich unterhaltsamer Shoptech-Kontroversen – präsentiert Kelly Goetsch, CPO bei commercetools in seinem aktuellen Artikel („25 Reasons Why Monolithic Commerce Platforms Are Obsolete„) eine umfangreiche Liste von Gründen, warum die Tage monolithischer E-Commerce-Systeme gezählt sind. Unter anderem erwähnt er lange Release-Zyklen, Probleme beim Thema Skalierung und eine ineffiziente horizontale Teamstruktur.

Alexander Graf spricht mit Antonia Ermacora (auch mit ihr hatten Martin und ich uns vor einiger Zeit über Chatbots & Co unterhalten) über Chatshopper und conversational commerce („Chantal, mach mal lauter!“). Beide diskutieren dabei, was Innovationen wie Amazons Alexa für die Zukunft des Handels bedeuten, wenn etwa die Produktvielfalt aufgrund dieser Form der Kommunikation zwangsläufig eingeschränkt sein muss – niemandem hilft es, auf die Anweisung „kaufe 2m hdmi kabel“ Dutzende Varianten zur Auwahl zur erhalten.

Zum Schluss dürfen einige kleine Veranstaltungshinweise nicht fehlen:

Etwas vergessen? Bitte lasst’s mich wissen. Ansonsten: Frohes Neues!

 

 

19./20.April: code.talks commerce special in Berlin

In dieser Woche findet in Berlin erstmalig das commerce special der bekannten code.talks-Entwicklerkonferenz statt. An zwei Tagen geht es – Shopsystem- und Technologie-übergreifend – unter anderem um moderne Architekturen, Microservices und APIs. Ich darf am Mittwoch ein Panel zum Thema SaaS vs. Paas vs. Self-hosted leiten, und freue mich schon sehr darauf, die enge und erweiterte E-Commerce-Familie morgen und übermorgen vor Ort zu treffen.