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Die Schöne & die älteren Herren #dhk17

Die Musik schwillt an, die Scheinwerfer richten sich auf die Bühne, das festlich gekleidete Publikum applaudiert begeistert. Eine schöne, blonde Dame in einem atemberaubenden Kleid schreitet langsam auf die Bühne. Während der Applaus langsam abebbt, schaut sie mit einem gewinnenden Lächeln in die Runde und hat bereits jetzt alle Männer im Saal um den Finger gewickelt. Sie kostet die Spannung aus, dann verleiht sie … den Deutschen Handelspreis Kategorie Mittelstand an den Bio-Händler dennwee.

Es sind also nicht die Oskars, nicht die Grammys und es ist auch kein Bambi in Sicht. Miss Tagesschau Judith Rakers sorgt im Maritim Hotel Berlin in der letzten Woche trotzdem für einen Hauch von Hollywood, der sich auch dann noch wacker hält, als in den Dankesreden nicht Gott, Familie und der Regisseur bedacht wird, sondern Worte wie „Sortimentsbreite“ und „EBIT“ fallen.

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Ungefähr neun Stunden zuvor hatte der Deutsche Handelskongress 2017 begonnen, und ich war mit unserem CEO Dirk Hörig dort. Es galt unter anderem, einige Pressetermine wahrzunehmen und uns als zukunftsgewandte Firma zu präsentieren. Für mich persönlich war aber auch eine Menge Neugier Grund für den Trip nach Berlin: Was sind das für Leute, die einem Verband (dem HDE) angehören, der knapp 100 Jahre alt ist, und ihre Veranstaltung schon zum 25. Mal durchführen? Und, was passiert eigentlich, wenn man noch die Politik hinzunimmt und an der Schnittstelle zwischen ihr und dem Handel arbeitet?

Daten, eigene Stärken und die Sache mit den Steuern

Auf der Hauptbühne machte die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali den Anfang und schwor das Publikum auf das diesjährige Motto ein: „Kunden. Vertrauen. Daten.“ Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das so beabsichtigt war, aber es kam sofort eine defensive, skeptische Stimmung auf: Daten werden überall abgehorcht, der Kunde wird gläsern. Auch in den folgenden Vorträgen gerierten sich viele Handelsvertreter als Anwalt der Kunden in Sachen Datensicherheit. Dass diese das vielleicht weniger interessiert – wer hat schonmal die AGB von WhatsApp gelesen? – kam nicht zur Sprache.

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Nach einem Intro vom HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, der im Stakkato durch die Hype-Themen ritt – da war vom Thema „mobile“ bis über AR/VR alles dabei – kam Alexander Birken auf die Bühne, seines Zeichens Vorstandsvorsitzende der Otto-Gruppe. Sein Tenor: Das Unternehmen entwickelt sich stabil, geplant sei ein Wachstum von 12,5 auf 17 Mrd. EUR in den nächsten 5 Jahren. Fußgängerzonen der 80er-Jahre und andere, überkommene Handelskonzepte sagte er keine große Zukunft voraus, betonte aber den hohen Stellenwert des stationären Handels mit dem Hinweis auf den Anteil von immer noch 90%. Einen kleinen Seitenhieb auf Amazon konnte er sich nicht verkneifen und forderte das Publikum auf, einmal die Startseite von Amazon und Otto zu vergleichen und sich zu fragen, wo es denn mehr Erlebnis gebe.

Kurz danach kam dann Amazon auf die Bühne, in Form von Deutschland-Chef Ralf Kleber. Er feuerte sehr routiniert einen Vortrag ab, den man in diesen Tagen öfter hört: Innovationskultur pflegen, konsequent vom Kunden her aus denken und selbstverständlich mit allen Mitteln den „Day 2“ vermeiden. Außerdem warb er für Partnerschaft und betonte die Gemeinsamkeiten. So weit so bekannt. Für Herrn Kleber hätte sein Besuch auf der Bühne auch ein gutes Ende nehmen könnte, hätte die Moderation nicht im Anschluss noch spitz nach Steuervermeidungsstrategien gefragt. Anstatt mit einem schlauen Satz die Antwort charmant zu umgehen, gab er mehrere mit „ähs“ und „öhms“ gespickte Floskelsätze von sich, die das Publikum mit anschwellendem Gelächter quittierte. Da hat den meisten sichtlich gut getan – Herrn Kleber eher weniger.

Abends dann die erwähnte Preisverleihung. Mir war zum dem Zeitpunkt schon sehr viel klarer, wie das Publikum tickt. Im Schnitt weit über 50 und überwiegend männlich galt es nämlich, mit dieser Veranstaltung das Selbstverständnis zu feiern, zu einem illustren Kreis ehrbarer Kaufleute zu gehören, denen es eben nicht nur um Profite, sondern auch um nachhaltiges und soziales Handeln geht. Ablesen ließ sich das an den Preisen: geehrt wurden ein Hersteller von Bioprodukten, ein EDEKA-Händler, der Mehrwegverpackungen in seinen Märkten zulässt und abgelaufene Ware verschenkt, sowie ein Mode- und ein Parfum-Filialist aus Westfalen, die sich in ihrer Heimat stark sozial engagieren. Händler legen Wert auf fairen Wettbewerb (und schon alleine deswegen ist man Amazon und seiner Fiskalkreativität gegenüber sehr skeptisch) und sehen sich eben auch als Altruisten.

Dinosaurier und digitale Allergie

Auch am zweiten Tag lag der Fokus auf die Rolle des Handels in der Gesellschaft. So hielt EU-Kommissar Günther Oettinger eine überraschend flammende Rede auf das westliche Wertesystem und spannte einen atemberaubenden narrativen Bogen von den Schützengräben des Ersten Weltkriegs zur Digitalisierung und führte aus, dass es nur noch wenig Jahre dauern würde, bis die Gewinner und Verlierer dieses Wandels stünden.

Zu erwähnen ist hier noch Pieter Haas, CEO von Media-Saturn. In einem aufrichtigen Vortrag beleuchtete, welche Fehler man vor einigen Jahren gemacht hatte – als man beispielsweise 2008 seinen Onlineshop einstellte, weil er mit €140m EUR Jahresumsatz hinter den Erwartungen zurückblieb. Haas präsentierte eine Unternehmen, das mittlerweile wieder Fuß gefasst im Digitalen gefasst hat und versucht, Filialen und Onlinewelt weiter zu verknüpfen.

Und sterben sie nun, die Analogen?

Ich hatte mir ja im Vorfeld eine Fragen überlegt? Wie reagiert man auf diesem Gipfeltreffen auf den Abgesang des stationären Handels? Als jemand, der sich vornehmlich in der Online-Welt tummelt, und auch da eher den Fokus auf Technologie und weniger auf die Zahlen hat, nicht einfach vorzustellen. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, machten jedenfalls nicht den Eindruck, besonders naiv oder blind für das zu sein, was um sie herum passiert. Viel mehr sieht und hört man Ratlosigkeit. Auch das Thema Finanzierung scheint ein Thema zu sein. Wie Gerd Bovensiepen von PwC anmerkte, investiere Amazon bekanntlich 16 Mrd. USD in diesem Jahr in Forschung und Entwicklung – laut einer eigenen Erhebung seien es selbst bei größeren hiesigen Händlern einstellige Millionenbeträge.

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Auf der Bühne warnten Prof. Gerrit Heinemann schließlich vor der digitalen Demenz einiger Händler. Dr. Kai Hudetz vom IFH Köln hielt fest, dass es zwischen den relevanten Marken im Online-Pureplay und denen im Stationären wenige Überschneidungen gibt – Kanalverknüpfung ist derzeit nicht das Allheilmittel, das viele erhoffen. Oder anders ausgedrückt: Zwei wichtige, einzelhandelsnahe Stimmen aus der Forschung geben als Parole alles andere als ein „weiter so“ aus.

Noch eine Schlussbemerkung: Wenn Pureplay-Evangelisten, ohne sich selbst vor Ort ein Bild gemacht zu haben, mit einem dürren Artikelchen zum Sturm gegen die Analogen blasen, trägt das nichts (gar nichts) zu einer ausgewogenen Debatte bei. Ich selbst werde es auch in Zukunft so weit es geht vermeiden, bei Karstadt & Co. einzukaufen, ich bin ein sehr zufriedener Prime-Kunde. Aber zu Judith und den älteren Herren würde ich immer wieder gehen.

Update:

Beim heutigen commercetools coffee break habe ich auch kurz mit Martin über dieses Thema gesprochen:

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #87: Recap-Zeit

Es ist wieder Freitag und damit höchste Zeit, wieder „es ist wieder Freitag“ zu schreiben und ganz kurz auf die Shoptech-Woche zurückzublicken, die vor allem von Recaps zum code.talks commerce special geprägt war. Aus diesem Grund sei noch mal auf unseren Podcast und meinen Artikel über den Sinn oder Unsinn großer Namen auf Konferenzbühnen erwähnt. Weiteres findet Ihr in dieser Story.

Außerdem:

Schönes Wochenende!

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

Händler 2017: Nobelpreis oder Bürgermeister-Handschlag?

Letzte Woche fand in Berlin das commerce special der code,talks statt. Martin und ich hatten bereits vor Ort ein paar Gedanken dazu aufgenommen und in einem Podcast veröffentlicht. An dieser Stelle möchte ich aber noch auf zwei Dinge eingehen, die mir im Nachhinein noch aufgefallen sind:

Vorbilder oder Folklore?

Wie würden sich Teilnehmer eines Schreibwettbewerbs eines Deutsch-Leistungskurses fühlen, wenn ihre zarten Schreibversuche direkt und ungefiltert mit dem Gesamtwerk Thomas Manns verglichen würden? Auf der einen Seite nobelpreisgekrönte Weltliteratur, auf der anderen Seite Sätze aus dem Grammatik-Bergwerk? Dieser Gedanke drängt sich mir immer auf, wenn ein E-Commerce-Experte die Bühne betritt, eine pointiert formulierte Exegese der GAFA-Ökonomie vornimmt und ein Publikum aus ganz „normalen“ Händlern vor sich hat. Wie sinnvoll sind derartige Vorträge letztlich? Eine kleine Twitter-Umfrage, die ich während des Tom-Tailor-Vortrags dazu gestartet hatte, blieb diesbezüglich uneindeutig:

Man kann dazu mehrere Perspektiven einnehmen: Zum einen haben große Marken eine Vorbildfunktion – sieh‘ mal, was ich schaffen kann, wenn ich smart bin und mich anstrenge! Ohne Zweifel können Vorträge internationaler Player, die über ihre Strategien referieren, durchaus inspirieren und Mitarbeitern das letzte und entscheidende Argument liefern, ihren Chef endlich endlich von einer agilen Arbeitsweise (und den anderen tollen buzzwordigen Dingen) zu überzeugen. Und letztlich braucht ja jede Branche seine Helden und Legenden.

Möglicherweise gibt es auch schlicht und einfach keine bühnenfähigen Beispiele kleinerer und mittelständischer Marken und Händler? Ist es möglich, dass ihre täglichen Aufgaben und Probleme so bekannt und banal sind und ihnen schlicht und ergreifend die Antworten fehlen, die Inhalt eines sinnvollen Vortrags wären? Wenn ich etwa von der Komplexität meiner Daten erschlagen werde und meine Prozesse nicht in den Griff bekomme, welchen Mehrwert kann ich dann meinen Zuhörern noch bieten, die die gleichen Probleme haben und meinen Vortrag mit einer Hoffnung besuchen, endlich eine konkrete Lösung zu erfahren?

Eine dritte Variante: Informationen über die pfiffigen Strategien und Lösungen kleinerer Händler sind nicht einfach zu erhalten und benötigen mehr Recherche-Aufwand aufseiten des Vortragenden. Wer auf Bühnen und in den sozialen Medien in Dauerschleife den Claim „Händler müssen zu Tech-Unternehmen werden“ mit den Beispielen Amazon und Zalando untermauert, wird naturgemäß eine Menge an Quellmaterial finden und gleichzeitig das wohlige Gefühl haben, sich in guter Experten-Gesellschaft zu befinden und eine progressive Meinung zu vertreten.

Äpfel und Birnen

Angelehnt an die obige Problemstellung ist auch die nach den zugrundeliegenden technischen Lösungen. Während die einen über die Frage diskutieren, wie genau man den Umfang von Microservices und den dahinterliegenden Teams definiert, beschäftigt die anderen, ob ein Update des Kernsystems auch die Funktionsweise des eigens geschriebenen Payment-Moduls beeinflusst. Stellen die einen permanente Agilität und Innovationsbereitschaft in den Vordergrund, betonen die anderen Stabilität und Kontinuität. Ein internationaler Händler mit Milliardenumsätzen hat überraschenderweise mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen als ein regionaler Anbieter.

Besonders anschaulich wird das an dem Konzept der Microservices: Während etwa Kelly Goetsch von commercetools auf dem Shopsystem-Panel engagiert die These vertritt, dass großen Händlern keine andere Möglichkeit bleibt, Agilität wiederzuerlangen, als mittel- und langfristig auf Microservices zu setzen, vertritt Pierluigi Meloni von OXID eSales ebenso engagiert die Gegenthese, dass diese nur für mehr Komplexität sorgen und letzten Endes nur ein aufgeblasener Hype sind. Mal davon abgesehen, dass ich diese Art von Kontroversen persönlich sehr schätze, weil sie dem üblichen Feelgood-Klima dieser Panels entgegenwirken, glaube ich, dass diese Diskussion unbedingt geführt und sozusagen eine Synthese gefunden werden muss. Challenge accepted 😉

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

ShopTechTalks #26: Github is from Venus, Excel is from Mars

Die aktuelle Ausgabe der ShopTechTalks besteht aus einem Live-Mitschnitt meines Vortrags auf dem diesjährigen eCommerceCamp in Jena. Dort habe ich eine Session mit dem Titel „Github is from Venus, Excel is from Mars: Wie sich Entwickler und Business-Entscheider wieder besser verstehen“ gehalten und genauer beleuchtet, warum es in Projekten sogar bei scheinbar Selbstverständlichem so häufig Verständigungsprobleme gibt.

Überrascht hat mich, wie rege die Beteiligung des Publikums war und wie kontrovers teilweise diskutiert wurde. Im Mitschnitt kommt das leider nicht zur Geltung (der Sound war einfach zu schlecht, daher musste ich die entsprechenden Passagen herausschneiden), aber bei Carmen kann man dazu mehr lesen (und sich dabei gleichzeitig prima unterhalten lassen).

Die zugehörigen Slides findet Ihr auf Slideshare.

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #85: Rückblick eCommerceCamp Jena #eccj17

Bei diesem Rückblick gibt es zwei Dinge, die anders sind: zum einen findet er an einem Montag statt, zum anderen habe ich das Ganze per Video gemacht. Viel Spaß & einen guten Start in die Woche.

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #83: Internetworld, Internet down

Mit diesem reißerischen Titel geht’s in einen neuen Shoptech-Freitag und wir beschließen eine Woche, in der das AWS Outage die Gemüter erregt hat. Am 28. Februar waren Teile des Amazon S3-Services für rund vier Stunden offline. Grund dafür war scheinbar ein falsch eingegebener Befehl eines Mitarbeiters, der mehr Server neu gestartet hatte als geplant. Im Detail lässt sich das bei AWS selbst nachlesen. Laut InternetRetailer waren vor allem diese Händler von der Störung betroffen:

  • Disney Store USA LLC (No. 78 in the Top 500), 1165% longer to load
  • Target (No. 22), 991% longer to load
  • Nike Inc. (No. 47), 642% longer to load
  • Nordstrom (No. 18), 592% longer to load
  • Victoria’s Secret (part of L Brands Inc., No. 28), 353% longer to load

Außerdem: Es ist wieder Messe-Zeit. Nächste Woche findet die Internet World 2017 in München statt, auf der sich wieder einige Shopsystem-Anbieter präsentieren. Ich bin selbst nicht vor Ort, hier aber zumindest eine Liste der Stände ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Schönes Wochenende!

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #76: Wenn das Jahr langsam aufwacht

Es ist mehr als ein Jahr her, dass ich den letzten „TWiST“ veröffentlicht habe. Und auch wenn ich mich im jüngsten Jahresrückblick etwas despektierlich über den Mangel an Bewegung im Shopsystem-Markt geäußert habe, halte ich es trotzdem für wichtig, regelmäßig den Blick umherschweifen zu lassen – und wenn es nur dazu dient, der eigenen Bequemlichkeit entgegenzuwirken. Im schlimmsten Fall schreibe ich dann einfach: Nix passiert 🙂

Steffen Heilmann, Bereichsleiter IT von myToys beschreibt in seinem Rückblick die Lessons Learned des vergangenen Jahres. Er spricht über verschiedene technische Herausforderungen (Live-Gang neuer Shop, Einführung von Payback, Eröffnung zwei neuer Geschäfte, etc.) und beleuchtet, wie sich etwa die Entwicklungsmethodik geändert hat und welch hohe Bedeutung Kommunikation bei IT-Projekten hat. Mit Steffen haben Martin und ich vor einiger Zeit einen Podcast aufgenommen, in dem wir genauer auf die Struktur bei myToys eingehen.

Wo wir gerade bei Jahresrückblicken sind – auch von Carmen gibts wieder einen sehr lesenswerten, feinen Post (der Sprachwissenschaftler jauchzt!) über die letzten 12 Monate im Magentouniversum zu lesen (Liebe Grüße!).  TechDivision hat sich ebenfalls in einem längeren Beitrag Gedanken über Magento gemacht und die Entwicklung vor allem durch die Business- und Strategiebrille betrachtet – dazu passt auch das kurze Interview mit Peter Sheldon, ehemaliger Forrester-Analyst und mittlerweile VP Strategy bei Magento.

In hübschem thematischen Gegensatz – möglicherweise wird 2017 endlich das Jahr wirklich unterhaltsamer Shoptech-Kontroversen – präsentiert Kelly Goetsch, CPO bei commercetools in seinem aktuellen Artikel („25 Reasons Why Monolithic Commerce Platforms Are Obsolete„) eine umfangreiche Liste von Gründen, warum die Tage monolithischer E-Commerce-Systeme gezählt sind. Unter anderem erwähnt er lange Release-Zyklen, Probleme beim Thema Skalierung und eine ineffiziente horizontale Teamstruktur.

Alexander Graf spricht mit Antonia Ermacora (auch mit ihr hatten Martin und ich uns vor einiger Zeit über Chatbots & Co unterhalten) über Chatshopper und conversational commerce („Chantal, mach mal lauter!“). Beide diskutieren dabei, was Innovationen wie Amazons Alexa für die Zukunft des Handels bedeuten, wenn etwa die Produktvielfalt aufgrund dieser Form der Kommunikation zwangsläufig eingeschränkt sein muss – niemandem hilft es, auf die Anweisung „kaufe 2m hdmi kabel“ Dutzende Varianten zur Auwahl zur erhalten.

Zum Schluss dürfen einige kleine Veranstaltungshinweise nicht fehlen:

Etwas vergessen? Bitte lasst’s mich wissen. Ansonsten: Frohes Neues!

 

 

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).