Meine Kindle-Story

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Das Problem: Es muss doch möglich sein, sich an gedruckter Literatur zu erfreuen und auch eBooks abseits des Monitors bzw. Notebooks lesen zu können, ohne das Bücherregal sich biegen oder den Drucker rauchen zu lassen.

Der Lösungsversuch: ein eBook-Lesegerät muss her.

Das Fazit: Es ist nicht möglich, sich an gedruckter Literatur zu erfreuen und auch eBooks abseits des Monitors bzw. Notebooks lesen zu können, ohne das Bücherregal sich biegen oder den Drucker rauchen zu lassen.

Meine Wahl fiel auf den Amazon Kindle in der größeren DX-Version. Zum Kaufpreis von ca. € 360 sollten noch €14 Versandkosten und €70 Einfuhrzoll kommen – aber was sind schon €444  gegenüber Hektaren geretteten Waldes und einer zum Bersten geschwellten Early-Adopter-Brust? Als überzeugter Amazon-Kunde wusste ich um die Zuverlässigkeit und die Geschwindigkeit der Zustellung bei diesem Internet-Dinosaurier und war daher nicht überrascht, als knapp eine Woche nach der Bestellung das Gerät via UPS geliefert wurde. Nach dem ersten Öffnen der “Frustration-Free”-Verpackung (die heißt wirklich so) machte sich jedoch die erste Ernüchterung breit.

Ein Vorzug der eInk-Technologie, die auch beim Kindle Verwendung findet, ist, dass kein wertvoller Akkustrom verbraucht wird, solange keine Seiten neu aufgebaut werden müssen. Aus diesem Grund war mein neuer Kindle noch zur Hälfte aufgeladen und auf seinem Monitor prangte eine “Herzlich Willkommen”-Nachricht. Hat man es mit elektronischer Tinte zu tun, ist es nur konsequent, weitgehend auf Informationsbroschüren zu verzichten und das Produkt für sich sprechen zu lassen.

Vom Anfassen und Lesen

Nun geschahen zwei Dinge, die das frühe Ende meiner Kindle-Liaison bereits andeuteten: Ich dachte “der Kontrast ist aber ein wenig mickrig, den muss ich gleich mal anders einstellen” und berührte den Monitor, um auf die Startseite des Kindle zu gelangen. Um es vorwegzunehmen, beides ist unmöglich.

Der Kontrast bleibt wie er ist – nämlich schlecht – und kann von niemandem ernsthaft mit dem eines gedruckten Buchs oder einer Zeitung verglichen werden. Man hat eher das Gefühl, einen Text zu lesen, der mit einem altersschwachen Tintenstrahldrucker in dunkelgrau auf Umweltpapier gedruckt wurde. Auch nach längerem Suchen in der Konfiguration des Kindle und nach Recherchen im Web konnte ich keine Möglichkeit entdecken, das Leseerlebnis entscheidend zu verbessern. In mehreren Stufen lassen sich zwar Schriftgröße und Zeilenlänge einstellen, am grundsätzlichen, Augen ermüdenden, mangelhaften Kontrast ändert dies jedoch nichts.

Der Kindle ist natürlich nicht mit einem Touch-Screen ausgestattet. iPhone-gedrillt habe ich gleich lustig auf dem Monitor hantiert, dann aber mein Navigationsbemühen auf den kleinen Minijoystick konzentriert, mit dem man sich durch die Kindle-Menüs bewegt. Das klappt anstandslos, fühlt sich aber mindestens genau so retro an, wie der ganze Apparat selbst aussieht. Mag sein, dass ich durch intensive Nutzung diverser Apple-Produkte mittlerweile arg verwöhnt bin, aber der Kindle sieht ein wenig so aus, als hätte gerade Captain Kirk damit ein wichtiges Memo an die Sternenflotte verfasst.

Bücherkauf leichtgemacht

Es gibt aber auch Positives zu vermelden: Das Kaufen von Büchern, Magazinen und Zeitungen funktioniert reibungslos, unkompliziert und schnell. Out-of-the-box ist der Kindle bereits mit einer SIM-Karte ausgestattet, die den Datenzugang zu einem Mobilfunkanbieter gewährleistet; gerade ausgepackt ist der Kindle bereits online und kann mit Inhalten befüllt werden. Das geht auch deshalb sehr einfach, weil das Gerät standardmäßig bereits mit meinem Amazon-Kundenkonto verbunden war – Zahlungsdaten musste ich also nicht eintragen. Ein paar Klicks mit dem oben erwähnten Retro-Pinöckel und schon konnte ich die aktuelle Ausgabe der FAZ und das Gesamtwerk von Oscar Wilde anlesen.

Im Fazit steckt ein Apfel

Um es kurz zu fassen: Ich bin daran gescheitert, mir einzureden, ich werde mich schon an das Display und die komische Bedienung gewöhnen und habe den Kindle in der letzten Woche wieder zur Post gebracht in der Hoffnung, die Rückerstattung zumindest des Kaufpreises geht einigermaßen schmerzlos über die Bühne.

Was bleibt ist die ernüchternde Erkenntnis dass, falls der Kindle den Gipfel der eInk-Technologie darstellt, es noch eine ganze Weile dauern wird, bis die Bücher- und Magazinfreunde dieser Welt das elektronische Papier als ernstzunehmende Alternative zu seinem holzhaltigen Bruder anerkennen werden. Und es ist absehbar, dass Apple mit der LCD-Technologie des iPads den eBook-Markt genau so dominieren wird wie den Musikmarkt mit iPod & Co.

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