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Der Rummelplatz des Online-Business

Neulich war mal wieder Messezeit: die dmexco öffnete letzte Woche wieder ihre Pforten, um an zwei Tagen über den Marketing-Afficionados und Online-Magiern ein optisch und akustisch wieder einmal bemerkenswertes Feuerwerk abzufeuern. Und ich mittendrin, wenn auch in der eher kleinen, harmonischen und vergleichsweise ruhigen Welt des commercetools-Messestands. Im Vorfeld gab es eine Menge zu tun, über Standdesign, -thema und -besetzung hin zu Vermarktung waren viele Leute im Team damit beschäftigt, sich optimal auf die Veranstaltung vorzubereiten. Das ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen, ganz bescheiden möchte ich sagen: Wir haben Stand B020 gerockt.

Aber: Die dmexco hat mich auch wieder in Rant-Laune gebracht und damit immerhin den positiven Effekt, dass die Funkstille in diesem Blog aufgehoben wird. Sagen wir so: Aus (Fach-)Besucher gingen mir diese zwei Tage spürbar auf den Geist. Wie auf dem Rummelplatz war es bunt, laut, schrill und voll – und dabei gleichzeitig so inhaltsleer wie bei ähnlichen Veranstaltungen der letzten Jahre. Immerhin ist, rechtzeitige Anmeldung vorausgesetzt, die Messe gratis und, genügend Chuzpe, Geduld und ein Bündel falscher Visitenkarten vorausgesetzt, kann man sich zwei Tage lang an den verschiedenen Ständen umsonst verköstigen und unterhalten lassen.

Vor drei Jahren habe ich unter Conference Archaeology bei ecomPunk geschrieben:

If you’re visiting a commerce conference, it’s bound to be the same everywhere. Since decades. Centuries even. Service providers have their booths and their little goodies ready for the masses of potential customers – apparently, being there and providing a valuable service does not suffice.

Im Rückblick war die Neocom – die mir damals den Blutdruck hat steigen lassen – deswegen noch angenehm, weil es vergleichsweise ruhig zuging. Seinerzeit hatte ich nicht das Gefühl, ein GPS zu brauchen um mich durch die Hallen navigieren zu lassen. Letzte Woche jedoch hätte es hingegen nur noch eine „Gewinne Gewinne Gewinnääää“-Durchsage und einen Auto-Scooter gebraucht, und ich hätte Freunde & Familie zu einem lustigen Kirmestag eingeladen.

Natürlich ist das Kritisieren einer Marketing-Messe als überbordende Show-Veranstaltung in etwa so sinnvoll wie sich über die Omnipräsenz von Helene Fischer aufzuregen: Es ist wie es ist. Für Unternehmen gehören solche Veranstaltungen zur jährlichen Sales- und Marketing-Folklore, und solange sich die Investition lohnt (wie immer dieses „lohnen“ letztlich definiert wird) werden wir uns auch weiterhin durch große Messehallen schieben lassen.

Und bei näherer Betrachtung könnte man diesen kleinen Beitrag auch auf einer positiven Note enden lassen: Ist es nicht beruhigend, dass sich Menschen trotz Digitalisierung und weltweiter Vernetzung immer noch am liebsten live unter ihresgleichen tummeln? Am Ende haben Riesenräder und Popcorn womöglich doch mehr Zugkraft als Hangouts und Instagram-Posts.

(Foto: Martin Fisch)

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19./20.April: code.talks commerce special in Berlin

In dieser Woche findet in Berlin erstmalig das commerce special der bekannten code.talks-Entwicklerkonferenz statt. An zwei Tagen geht es – Shopsystem- und Technologie-übergreifend – unter anderem um moderne Architekturen, Microservices und APIs. Ich darf am Mittwoch ein Panel zum Thema SaaS vs. Paas vs. Self-hosted leiten, und freue mich schon sehr darauf, die enge und erweiterte E-Commerce-Familie morgen und übermorgen vor Ort zu treffen.

Auf eine spannende Blog-Zukunft!

Nun ist es also soweit. Wie viele von Euch bereits erfahren haben oder sich haben denken können, bin ich seit Anfang der Woche fest bei der commercetools GmbH angestellt. Unter dem schönen Titel Industry Analyst & Content Writer werde ich dort in Zukunft das tun, was ich in den letzten 12 Monaten dort bereits als Freelancer getan habe: Den Shoptech-Markt analysieren, sowie dazu passende Inhalte konzipieren und erstellen. Das aber bringt auch ein paar Veränderungen für dieses Blog mit sich.

Unabhängiges Bloggen

In der Vergangenheit habe ich in allen Posts eine Offenlegung veröffentlicht, in denen commercetools erwähnt wurde. Ich werde auch weiter versuchen, mir einen ungetrübten Blick zu bewahren und in allem was ich tue nachvollziehbar und transparent zu bleiben. Und wer weiß, vielleicht bringt diese neue Perspektive ja auch Vorteile mit sich? Wie es sich entwickelt, wird die Zeit zeigen, ich bin gespannt.

Podcasts

Änderungen kommen bestimmt auch auf die ShopTechTalks zu. Bislang habe ich versucht, ein möglichst buntes Spektrum an Gesprächspartnern vor das Mikrofon zu bekommen, um mit ihnen eine Stunde lang über unterschiedliche Aspekte der Shoptech-Welt zu parlieren. Wird mir das unter den neuen Voraussetzungen weiter gelingen? Schwer zu beurteilen, aber ich würde mich freuen wenn es klappt.

Die Zeit

Derzeit investiere ich Einiges an Zeit, um via RSS-Feeds, Alerts und Twitter den Überblick über die Entwicklungen der Shoptech-Welt zu behalten und sie freitags in den TWiSTs zu verarbeiten. Dazu kommt der Aufwand für die ShopTechTalks.  Eine Podcast-Ausgabe nimmt inklusive Terminabstimmung mit Kandidaten, Vorbereitung, Aufnahme und Schnitt mindestens einen halben Tag in Anspruch. Ob ich mir auch in Zukunft diese Zeit nehmen kann, kann ich aktuell noch nicht sagen. Wahrscheinlich wird es etwas ruhiger werden – der letzte Podcast ist ja auch schon einige Monate alt.

In welcher Frequenz auch immer, eins ist sicher: ShopTechBlog wird nicht zu einem commercetools-Verlautbarungsorgan, sondern bleibt mein (Privat)-Vergnügen, dem ich hoffentlich noch ausreichend Aufmerksamkeit widmen kann.

Shoptech-Innovationen

Vor zwei Jahren wollte ich wissen, ob von den klassischen Shopsystem-Anbietern grundlegende Innovationen ausgehen können. Vor einem Jahr habe ich diese Frage für mich verneint und zeitgleich die Chance bekommen, für commercetools und damit einem Anbieter zu arbeiten, der einen vollkommen anderen Ansatz wählt.

Heute bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass wachstumsorientierten Händlern und Marken mittel- und langfristig nichts anderes übrig bleibt, als sich von klassischen, starren Architekturen zu lösen und verteilte, flexible Ansätze zu wählen. Natürlich habe ich diesbezüglich ein gewisses Maß an selektiver Wahrnehmung. Es beschäftigen sich aber bereits genug große Händler und Marken, Shoptechnologie-Anbieter, Agenturen und Analysten mit den Themen Entkopplung von Frontend und Backend, SaaS/PaaS/IaaS, APIs und Microservices, um von einem Paradigmenwechsel im internationalen Commerce-Umfeld sprechen zu können.

Es sind also vor allem Unternehmen wie commercetools (sic!), Mozu und Shopify sowie das jüngst ins Leben gerufene Newstore, die derzeit Innovationen vorantreiben. Sie wurden „Post-iPhone“ konzipiert und berücksichtigen mobile und sonstige Zugangsarten nativ, anstatt ein mobiles Theme hier und eine API dort nachträglich anzuflanschen. Fast noch entscheidender: die Genannten bieten einen Service an und zwingen ihre Nutzer nicht zu On-Premise-Lösungen, die regelmäßig gewartet und aktualisiert werden müssen.

Magento, OXID & Shopware

Was heißt das nun für die anderen Systeme, allen voran Magento, OXID und Shopware, die schon aus meiner eigenen Historie heraus den Kristallisationspunkt dieses Blogs gebildet haben? Offen gestanden halte ich es für immer weniger interessant, die Entwicklungen dieser drei im Kern zu beobachten – je tiefer ich in die SaaS-Welt einsteige, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen ihnen. Wenn ein strategisch denkender Händler oder Hersteller mit ausreichend Sachverstand und Budget auf eine kompetente Agentur und einen versierten Hoster trifft, lassen sich mit allen diesen Systemen vernünftige Lösungen erstellen, die auch bis zu einen gewissen Grad skalieren.

Shopware scheint derzeit den besten Run zu haben: Das Unternehmen setzt seine aktuelle Version mit dem Trend- und Wachstumsthema „Content Commerce“ gekonnt in Szene, ist gerade in ein neues, eigenes Firmengebäude gezogen und stellt in der KMU-Zielgruppe hierzulande das Maß der Dinge dar. Solange sich die Schöppinger nicht mit ihrer Enterprise-Strategie verzetteln, sind sie für mich auch die einzigen der drei Kandidaten, denen ich in Zukunft ein tragfähige SaaS-Konzept zutrauen würde.

Magento läuft und läuft. Die Community ist so groß, die Freundschaften so intensiv und die Projekte so lukrativ, dass sich niemand ernsthaft nach Alternativen umsieht oder umsehen muss. Nachdem das Unternehmen seit einigen Tagen wieder komplett selbstständig ist, scheint die Geschäftsführung geradezu betrunken von sich selbst und den Perspektiven der Lösung:

From this day forward, our competition will no longer be able to hide from the power of the Magento platform. We now have a strong, independent voice. We will unleash the full power of the Magento brand. We will flex the full power of our global ecosystem to accelerate our leadership position as the world’s leading commerce platform.

Mit Magento 2, das nach langer Verzögerung tatsächlich bald Realität zu werden scheint, verpasst sich Magento eine Frischzellenkur, hält jedoch an vielen überholten Architekturentscheidungen fest. Aber wie so vieles im Magento-Universum wird auch das erfolgreich weggelächelt.

Um OXID muss man sich ernsthafte Sorgen machen. Schon seit längerer Zeit arbeiten die Freiburger an einer neuen Version Ihres Systems. Eine zeitlang war der Aufbau eines neuen Backends auf Symfony-Basis im Gespräch, aktuell scheint man sich auf einen API-basierten Ansatz zu konzentrieren. Das Unternehmen profitiert noch von einem weitläufigen, professionellen Partnernetzwerk, vielen verschiedenen Standard-Integrationen und einem großen Stamm renommierter Kunden, pumpt aber derzeit nichts Eigenes in sein Ökosystem. Auch bezüglich der eigenen Positionierung befindet man sich in einem Dilemma: Von „unten“ drückt Shopware, das zunehmend für Shop-Umsatzgrößen im zweistelligen Millionenbereich berücksichtigt wird, „oben“ sitzen Lösungen wie hybris, die die wirklich großen Budgets verbuchen können.

Fazit

Mit diesem Blog geht es weiter. Der Kontext verschiebt sich, der Fokus wahrscheinlich auch. Zweifellos gibt es im Shoptech-Bereich viel zu diskutieren, und ich bin auch gerne weiterhin dabei!

ecomhack in Berlin + E-Commerce-After-Work „Content Commerce“

ecomhacklogoAm kommenden Wochenende, vom 30.10.2015 – 01.11.2015, findet in Berlin erneut der ecomhack statt. Wie auch schon bei der ersten Ausgabe im Mai dieses Jahres geht es in der nächsten Woche darum, sich mit APIs und Geräten wie Beacons zu beschäftigen und damit spannende Anwendungen für zügigeres, spannenderes und unterhaltsameres Einkaufen zu bauen.  Zum Abschluss präsentieren die Teams ihre Projekte und können unter anderem Oculus Rift Development Kits gewinnen.

Für die treuen Leser dieses Blogs konnte ich insgesamt 10 (!) Freikarten ergattern. Einfach auf der Event-Seite den Code SHOPTECHBLOG eingeben – wir sehen uns dann nächste Woche in Berlin! :) 

Bevor die Entwickler jedoch am kommenden Freitag im betahaus loslegen, findet ab 16.00h ein After-Work-Event rund um das Thema Content meets Commerce statt. Dort komme unter anderem auch ich zu Wort und spreche darüber, welche Möglichkeiten Marken und Händler bleiben, wenn Einzelhandelsriesen wie vor allem Amazon immer Marktanteile gewinnen.

This Week in Shop Tech (TWiST)

TWiST #75: Wie Zappos technisch mit Amazon verschmilzt

Wieder einmal ist Freitag und damit Zeit … Ihr wisst schon🙂

Bei New Republic wurde vor ein Tagen ein längerer Artikel über den Online-Händler Zappos veröffentlicht (A radical experiment at Zappos to end the office workplace as we know it). Darin beschreibt der Autor unter anderem das Projekt „Supercloud“, bei dem die Zappos-Architektur in die von Amazon integriert werden soll (Zappos gehört seit 2009 zu Amazon). Verschiedenste Herausforderungen führen dazu, dass am Zappos-Shop – von kleinen Bugfixes abgesehen – seit zwei Jahren nicht mehr weiterentwickelt wird.

Barry Van Beek, the project’s program manager, told me he thought Supercloud was the single largest e-commerce replatforming in history. “No one has ever attempted this before, on this scale.” Van Beek, who has been at Zappos for eight years, said Supercloud has about 20 different teams, with 250 to 350 people, including contractors, working with more than 100 different Amazon teams.

Außerdem:

This Week in Shop Tech (TWiST)

TWiST #74: NewStore und OroCRM

Es ist wieder einmal Freitag und damit höchste Zeit, auf die vergangene Shoptech-Woche zurückzublicken.

Jetzt ist es offiziell: NewStore, das neue Projekt von Intershop– und Demandware-Gründer Stephan Schambach hat den Betrieb aufgenommen. Nach den Übernahmen der Mobile-Spezialisten CouchCommerce und der cloudbasierten Fulfillment-Plattform Goodscloud hat man eine Plattform geschaffen, die die Online- und Offline-Welten miteinander verknüpfen will und mobile Endgeräte als Dreh- und Angelpunkt identifiziert – ein Imagevideo zeigt dabei, wo die Reise konzeptionell hingehen soll. Weitere Informationen bei Handelskraft.

Ebenfalls diese Woche wurde die Alpha-Version von OroCRM veröffentlicht, das als neuer Wurf des Magento-Mitgründers Yoav Kutner entsprechend aufmerksam beobachtet wird:

OroCommerce is built from the ground up on the best-of-breed technologies, including PHP, Symfony 2 and Oro Platform, and can be customized or extended to fit any B2B e-commerce needs. It is designed to easily integrate with existing systems, such as ERP, CRM, order management and PIM tools, to allow for streamlined business operations and a better customer experience.

Auch für OroCommerce gibt es ein Video, dass die Motivation hinter der Produktentwicklung beleuchtet.