This Week in Shop Tech (TWiST)

TWiST #77: OroCommerce erreicht Version 1.0, Shopware-Entwicklerhandbuch

Wieder mal eine Woche rum und damit Zeit für eine kurze Shoptech-Bestandsaufnahme:

Vor zwei Tagen wurde OroCommerce in der Version 1.0 veröffentlicht und ist damit auch offiziell reif für den Produktiv-Einsatz. Das Projekt wurde im April 2015 unter anderem mit diesen Worten vorgestellt:

OroCommerce will focus on being an open source best-in-class commerce platform, with tools specifically for the B2B online sales market. These B2B-specific tools will include support for multiple price lists, a simple yet customizable quote to order process, quick order forms, multi-business support, and corporate customer account management. We combine these B2B-centric features with personalization, localization to multiple countries, currencies and languages, intelligent marketing tools and a powerful reporting and segmentation engine.

Begonnen hatte „Oro“ ursprünglich als B2B-CRM, das 2012 vom Magento-Mitgründer Yoav Kutner initiiert wurde. Nachdem Magento 2011 an eBay gegangen war, hatte er das Unternehmen verlassen, um sich mit einigen anderen Ex-Magentoianern dem Thema CRM mit einer ähnlichen Strategie zu widmen, die ab 2008 Magento zu seinem Siegeszug verholfen hatte: umfangreiches Feature-Set, einfach zu bedienende Backend-Tools und natürlich die Dual-Lizensierung (OpenSource- sowie kommerzielle Enterprise-Version).

Außerdem:

This Week in Shop Tech (TWiST)

TWiST #76: Wenn das Jahr langsam aufwacht

Es ist mehr als ein Jahr her, dass ich den letzten „TWiST“ veröffentlicht habe. Und auch wenn ich mich im jüngsten Jahresrückblick etwas despektierlich über den Mangel an Bewegung im Shopsystem-Markt geäußert habe, halte ich es trotzdem für wichtig, regelmäßig den Blick umherschweifen zu lassen – und wenn es nur dazu dient, der eigenen Bequemlichkeit entgegenzuwirken. Im schlimmsten Fall schreibe ich dann einfach: Nix passiert 🙂

Steffen Heilmann, Bereichsleiter IT von myToys beschreibt in seinem Rückblick die Lessons Learned des vergangenen Jahres. Er spricht über verschiedene technische Herausforderungen (Live-Gang neuer Shop, Einführung von Payback, Eröffnung zwei neuer Geschäfte, etc.) und beleuchtet, wie sich etwa die Entwicklungsmethodik geändert hat und welch hohe Bedeutung Kommunikation bei IT-Projekten hat. Mit Steffen haben Martin und ich vor einiger Zeit einen Podcast aufgenommen, in dem wir genauer auf die Struktur bei myToys eingehen.

Wo wir gerade bei Jahresrückblicken sind – auch von Carmen gibts wieder einen sehr lesenswerten, feinen Post (der Sprachwissenschaftler jauchzt!) über die letzten 12 Monate im Magentouniversum zu lesen (Liebe Grüße!).  TechDivision hat sich ebenfalls in einem längeren Beitrag Gedanken über Magento gemacht und die Entwicklung vor allem durch die Business- und Strategiebrille betrachtet – dazu passt auch das kurze Interview mit Peter Sheldon, ehemaliger Forrester-Analyst und mittlerweile VP Strategy bei Magento.

In hübschem thematischen Gegensatz – möglicherweise wird 2017 endlich das Jahr wirklich unterhaltsamer Shoptech-Kontroversen – präsentiert Kelly Goetsch, CPO bei commercetools in seinem aktuellen Artikel („25 Reasons Why Monolithic Commerce Platforms Are Obsolete„) eine umfangreiche Liste von Gründen, warum die Tage monolithischer E-Commerce-Systeme gezählt sind. Unter anderem erwähnt er lange Release-Zyklen, Probleme beim Thema Skalierung und eine ineffiziente horizontale Teamstruktur.

Alexander Graf spricht mit Antonia Ermacora (auch mit ihr hatten Martin und ich uns vor einiger Zeit über Chatbots & Co unterhalten) über Chatshopper und conversational commerce („Chantal, mach mal lauter!“). Beide diskutieren dabei, was Innovationen wie Amazons Alexa für die Zukunft des Handels bedeuten, wenn etwa die Produktvielfalt aufgrund dieser Form der Kommunikation zwangsläufig eingeschränkt sein muss – niemandem hilft es, auf die Anweisung „kaufe 2m hdmi kabel“ Dutzende Varianten zur Auwahl zur erhalten.

Zum Schluss dürfen einige kleine Veranstaltungshinweise nicht fehlen:

Etwas vergessen? Bitte lasst’s mich wissen. Ansonsten: Frohes Neues!

 

 

lock

BSI: Mindestens 1.000 deutsche Magento-Shops mit Sicherheitslücken

Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Nach dem jüngsten Geldsegen sieht sich Magento erneut mit Sicherheitslücken konfrontiert. Dieses Mal schaltet sich sogar das BSI ein und warnt vor dem Abschöpfen („Skimming“) von Kreditkartendaten in aktuell mindestens 1.000 Onlineshops in Deutschland:

Dabei nutzen Cyber-Kriminelle Sicherheitslücken in veralteten Versionen der Shopsoftware, um schädlichen Programmcode einzuschleusen. Dieser späht dann beim Bestellvorgang die Zahlungsinformationen der Kunden aus und übermittelt sie an die Täter. Betroffen sind Online-Shops, die auf der weit verbreiteten Software Magento basieren.

Zu Problemen mit veralteten Shopversionen kam es in der Vergangenheit des öfteren. Shopbetreiber können auf MageReport überprüfen, ob auch ihr Webshop betroffen ist. Sollte dies der Fall sein, raten Magento-Experten zum schnellen Update bzw. Einspielen von Sicherheitsupdates.

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Geldsegen für Magento

Magento gönnt sich einen großen Schluck aus der Finanzierungspulle und erhält von Hillhouse Capital frisches Kapital in Höhe von 250 Millionen US-Dollar. Anonymen Quellen zufolge wurde das Unternehmen dabei mit 700 Millionen US-Dollar bewertet. Der chinesische Investor, der unter anderem an der Suchmaschine Baidu und dem Netz-Unternehmen Tencent beteiligt ist, unterstützt mit diesem Schritt den Mehrheits-Eigentümer Permira, um nach eigenen Angaben den weltweiten Vertrieb zu stärken und an Innovationen arbeiten zu können:

Magento Commerce, the worldwide leader in cloud digital commerce innovation, today announced that Hillhouse Capital will make a $250 million investment in the company to fuel Magento’s growth strategy, worldwide expansion of sales, marketing & client support, new product innovation and future acquisitions.

Interessant ist die offizielle Meldung auch deswegen, weil gleich an mehreren Stellen das Stichwort „Cloud“ erwähnt wird, das seit der Loslösung von eBay die neue Marschrichtung vorzugeben scheint. CEO Marc Lavelle etwa spricht von einer „powerful, cloud-based open platform“, etwas später  ist von „SaaS“ und einer „Magento Commerce Cloud“ die Rede. Nimmt man die Tatsache hinzu, dass auch auf der Magento-Website die Enterprise Cloud Edition zuerst genannt wird, scheint sich abzuzeichnen, dass das Unternehmen die neuen Mittel vor allem dazu einsetzen wird, den Cloud-Markt für sich zu erobern.

Damit liegt Magento im Trend, hatte doch jüngst Salesforce angekündigt, den Cloud-Plattform-Anbieter Demandware für 2,8 Milliarden US-Dollar zu kaufen und zur sogenannten Commerce Cloud umzubauen. Und selbst der hiesige Anbieter Spryker liebäugelt mit einer Cloud-Version, wie CEO Boris Lokschin vor einigen Wochen via Twitter verlauten ließ:

Schaut man ein wenig hinter die Magento-Kulissen und seiner Community aufs Maul, so werden auch andere Themen diskutiert, denen man sich nach der Geldspritze widmen sollte. Karen Baker von WebShopApps etwa vermisst Engagement beim Thema Magento 2:

In the last 12-18 months I’ve seen several serious size agencies get ‘burned’ by Magento. Merchants have been through a lot of pain in this transition to M2, those that have left it longer have in many cases made the right decision. And the fact remains that Magento 2 is still full of bugs, in parts totally confusing to even people like Alan Storm (where is the hope for the rest of us!), and remains a ‘work in progress’.  So my suggestion #1 to Magento is get more staff focused on fixing these bugs.  Because you sending me blogs about your ‘ideas for the future’ kind of is a bit annoying when I’m dealing with the fallout from your ‘ideas from the past’.  There is a lack of execution that needs resolution. Before you expand to Asia preferably.

Als Anbieter, der mittlerweile knapp 9 Jahre auf dem Market ist, ist es für Magento eine sichtbare Herausforderung, den Community-Mitgliedern und Partnern der ersten Stunde eine verlässliche Plattform zu bieten, sein On-Premise-Modell mittels Magento 2 zu aktualisieren und gleichzeitig auf dem Cloud-Market Fuß zu fassen. Ein schwieriger Spagat, der den Verantwortlichen mit Blick auf den neuen Kontostand aber in der nächsten Zeit nicht allzu schlimm vorkommen dürfte.

rummel

Der Rummelplatz des Online-Business

Neulich war mal wieder Messezeit: die dmexco öffnete letzte Woche wieder ihre Pforten, um an zwei Tagen über den Marketing-Afficionados und Online-Magiern ein optisch und akustisch wieder einmal bemerkenswertes Feuerwerk abzufeuern. Und ich mittendrin, wenn auch in der eher kleinen, harmonischen und vergleichsweise ruhigen Welt des commercetools-Messestands. Im Vorfeld gab es eine Menge zu tun, über Standdesign, -thema und -besetzung hin zu Vermarktung waren viele Leute im Team damit beschäftigt, sich optimal auf die Veranstaltung vorzubereiten. Das ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen, ganz bescheiden möchte ich sagen: Wir haben Stand B020 gerockt.

Aber: Die dmexco hat mich auch wieder in Rant-Laune gebracht und damit immerhin den positiven Effekt, dass die Funkstille in diesem Blog aufgehoben wird. Sagen wir so: Aus (Fach-)Besucher gingen mir diese zwei Tage spürbar auf den Geist. Wie auf dem Rummelplatz war es bunt, laut, schrill und voll – und dabei gleichzeitig so inhaltsleer wie bei ähnlichen Veranstaltungen der letzten Jahre. Immerhin ist, rechtzeitige Anmeldung vorausgesetzt, die Messe gratis und, genügend Chuzpe, Geduld und ein Bündel falscher Visitenkarten vorausgesetzt, kann man sich zwei Tage lang an den verschiedenen Ständen umsonst verköstigen und unterhalten lassen.

Vor drei Jahren habe ich unter Conference Archaeology bei ecomPunk geschrieben:

If you’re visiting a commerce conference, it’s bound to be the same everywhere. Since decades. Centuries even. Service providers have their booths and their little goodies ready for the masses of potential customers – apparently, being there and providing a valuable service does not suffice.

Im Rückblick war die Neocom – die mir damals den Blutdruck hat steigen lassen – deswegen noch angenehm, weil es vergleichsweise ruhig zuging. Seinerzeit hatte ich nicht das Gefühl, ein GPS zu brauchen um mich durch die Hallen navigieren zu lassen. Letzte Woche jedoch hätte es hingegen nur noch eine „Gewinne Gewinne Gewinnääää“-Durchsage und einen Auto-Scooter gebraucht, und ich hätte Freunde & Familie zu einem lustigen Kirmestag eingeladen.

Natürlich ist das Kritisieren einer Marketing-Messe als überbordende Show-Veranstaltung in etwa so sinnvoll wie sich über die Omnipräsenz von Helene Fischer aufzuregen: Es ist wie es ist. Für Unternehmen gehören solche Veranstaltungen zur jährlichen Sales- und Marketing-Folklore, und solange sich die Investition lohnt (wie immer dieses „lohnen“ letztlich definiert wird) werden wir uns auch weiterhin durch große Messehallen schieben lassen.

Und bei näherer Betrachtung könnte man diesen kleinen Beitrag auch auf einer positiven Note enden lassen: Ist es nicht beruhigend, dass sich Menschen trotz Digitalisierung und weltweiter Vernetzung immer noch am liebsten live unter ihresgleichen tummeln? Am Ende haben Riesenräder und Popcorn womöglich doch mehr Zugkraft als Hangouts und Instagram-Posts.

(Foto: Martin Fisch)

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19./20.April: code.talks commerce special in Berlin

In dieser Woche findet in Berlin erstmalig das commerce special der bekannten code.talks-Entwicklerkonferenz statt. An zwei Tagen geht es – Shopsystem- und Technologie-übergreifend – unter anderem um moderne Architekturen, Microservices und APIs. Ich darf am Mittwoch ein Panel zum Thema SaaS vs. Paas vs. Self-hosted leiten, und freue mich schon sehr darauf, die enge und erweiterte E-Commerce-Familie morgen und übermorgen vor Ort zu treffen.