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TWiST #88: Eine Handvoll Videos

An diesem Freitag fällt mir nichts anderes ein, als Euch auf ein paar Shoptech-Videos aufmerksam zu machen, mit denen Ihr (jedenfalls theoretisch) Teile Eures Wochenendes bestreiten könntet.

Das Team des #commercespecial der code.talks hat auf seinem Channel einige Videos veröffentlicht, hier zwei Empfehlungen:

In leicht veränderter Besetzung geht es in beiden Panels – teilweise überraschend engagiert und kontrovers – um die unterschiedlichen Philosophien und Markteinschätzungen aktueller Shopsystem-Hersteller, den Zwist zwischen den „jungen Wilden“ wie commercetools und Spryker und den „Etablierten“ wie Intershop und OXID und natürlich den Sinn und Unsinn von Microservices.

A propos: Am Vorabend der Konferenz fand im Büro von commercetools ein Microservices-Meetup statt. Dort sprach unter anderem Christoph Neijenhuis über das Thema serverless functions sowie seine Erfahrungen mit AWS Lambda und serverless databases.

Schönes Wochenende!

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

Händler 2017: Nobelpreis oder Bürgermeister-Handschlag?

Letzte Woche fand in Berlin das commerce special der code,talks statt. Martin und ich hatten bereits vor Ort ein paar Gedanken dazu aufgenommen und in einem Podcast veröffentlicht. An dieser Stelle möchte ich aber noch auf zwei Dinge eingehen, die mir im Nachhinein noch aufgefallen sind:

Vorbilder oder Folklore?

Wie würden sich Teilnehmer eines Schreibwettbewerbs eines Deutsch-Leistungskurses fühlen, wenn ihre zarten Schreibversuche direkt und ungefiltert mit dem Gesamtwerk Thomas Manns verglichen würden? Auf der einen Seite nobelpreisgekrönte Weltliteratur, auf der anderen Seite Sätze aus dem Grammatik-Bergwerk? Dieser Gedanke drängt sich mir immer auf, wenn ein E-Commerce-Experte die Bühne betritt, eine pointiert formulierte Exegese der GAFA-Ökonomie vornimmt und ein Publikum aus ganz „normalen“ Händlern vor sich hat. Wie sinnvoll sind derartige Vorträge letztlich? Eine kleine Twitter-Umfrage, die ich während des Tom-Tailor-Vortrags dazu gestartet hatte, blieb diesbezüglich uneindeutig:

Man kann dazu mehrere Perspektiven einnehmen: Zum einen haben große Marken eine Vorbildfunktion – sieh‘ mal, was ich schaffen kann, wenn ich smart bin und mich anstrenge! Ohne Zweifel können Vorträge internationaler Player, die über ihre Strategien referieren, durchaus inspirieren und Mitarbeitern das letzte und entscheidende Argument liefern, ihren Chef endlich endlich von einer agilen Arbeitsweise (und den anderen tollen buzzwordigen Dingen) zu überzeugen. Und letztlich braucht ja jede Branche seine Helden und Legenden.

Möglicherweise gibt es auch schlicht und einfach keine bühnenfähigen Beispiele kleinerer und mittelständischer Marken und Händler? Ist es möglich, dass ihre täglichen Aufgaben und Probleme so bekannt und banal sind und ihnen schlicht und ergreifend die Antworten fehlen, die Inhalt eines sinnvollen Vortrags wären? Wenn ich etwa von der Komplexität meiner Daten erschlagen werde und meine Prozesse nicht in den Griff bekomme, welchen Mehrwert kann ich dann meinen Zuhörern noch bieten, die die gleichen Probleme haben und meinen Vortrag mit einer Hoffnung besuchen, endlich eine konkrete Lösung zu erfahren?

Eine dritte Variante: Informationen über die pfiffigen Strategien und Lösungen kleinerer Händler sind nicht einfach zu erhalten und benötigen mehr Recherche-Aufwand aufseiten des Vortragenden. Wer auf Bühnen und in den sozialen Medien in Dauerschleife den Claim „Händler müssen zu Tech-Unternehmen werden“ mit den Beispielen Amazon und Zalando untermauert, wird naturgemäß eine Menge an Quellmaterial finden und gleichzeitig das wohlige Gefühl haben, sich in guter Experten-Gesellschaft zu befinden und eine progressive Meinung zu vertreten.

Äpfel und Birnen

Angelehnt an die obige Problemstellung ist auch die nach den zugrundeliegenden technischen Lösungen. Während die einen über die Frage diskutieren, wie genau man den Umfang von Microservices und den dahinterliegenden Teams definiert, beschäftigt die anderen, ob ein Update des Kernsystems auch die Funktionsweise des eigens geschriebenen Payment-Moduls beeinflusst. Stellen die einen permanente Agilität und Innovationsbereitschaft in den Vordergrund, betonen die anderen Stabilität und Kontinuität. Ein internationaler Händler mit Milliardenumsätzen hat überraschenderweise mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen als ein regionaler Anbieter.

Besonders anschaulich wird das an dem Konzept der Microservices: Während etwa Kelly Goetsch von commercetools auf dem Shopsystem-Panel engagiert die These vertritt, dass großen Händlern keine andere Möglichkeit bleibt, Agilität wiederzuerlangen, als mittel- und langfristig auf Microservices zu setzen, vertritt Pierluigi Meloni von OXID eSales ebenso engagiert die Gegenthese, dass diese nur für mehr Komplexität sorgen und letzten Endes nur ein aufgeblasener Hype sind. Mal davon abgesehen, dass ich diese Art von Kontroversen persönlich sehr schätze, weil sie dem üblichen Feelgood-Klima dieser Panels entgegenwirken, glaube ich, dass diese Diskussion unbedingt geführt und sozusagen eine Synthese gefunden werden muss. Challenge accepted 😉

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #86: Wolken und Wellen

Es ist wieder einige Zeit seit dem letzten TWiST vergangen und es haben sich naturgemäß einige Dinge in der Shoptech-Welt getan:

Forrester Wave™ B2C Commerce Suites 2017

Der Ritterschlag mit gleichzeitiger Nobelpreisvergabe für Shopsystem-Hersteller: Forrester Research, das freundliche Analystenhaus von nebenan, schaut sich regelmäßig E-Commerce-Lösungen an: was sind besondere Funktonen, wie ist die Vision der Hersteller, wie erfolgversprechend sind ihre Marketing-Strategien etc. Im Anschluss wird alles nach einer gewissen Systematik gewichtet, bewertet, und im Rahmen eines Reports veröffentlicht.

Heraus kommt eine Liste von Unternehmen, die laut Forrester eine Rolle im internationalen System-Markt spielen und damit bei den Pitches größerer IT-Vorhaben in Betracht gezogen werden. Neben den üblichen Verdächtigen wie SAP Hybris und IBM ist zum ersten Mal auch commercetools mit von der Partie (schönen Gruß an die Kollegen – das war ein hartes Stück Arbeit!) Wer sich den ganzen Report zu Gemüte führen möchte, kann ihn kostenlos auf dieser Website herunterladen.

Magento:

Die Magento-Imagine-Konferenz liegt ja bereits einige Zeit hinter uns und es gibt wie in jedem Jahr eine Reihe von lesenswerten Recaps, von denen ich die von Carmen und Matthias (von dem ich mir auch das Bild links „geborgt“ habe) besonders hervorheben möchte. Für mich, der ich diese Veranstaltung noch nie besucht habe, ergibt sich aus den Berichten einmal mal mehr das Bild eines großen, internationalen Pfadfinder-Treffens in Casino-Atmosphäre: Menschen aus der ganzen Welt bilden einen internationalen Freundes- und Kollegenkreis, der zufällig in der gleichen Branche und mit der gleichen Software arbeitet und zum jährlichen Gottesdienst anreist. Inhaltlich geht es um Evolution: Magento 2 wird erwachsener, mit neuen Initiativen wird die Sicherheit und B2B-Fähigkeit des Systems untermauert, außerdem sorgt man für besseres Qualitätsmanagement im Extension-Marketplace. Die Community erhält mehr Mitspracherecht bei der Entwicklung der Roadmap und mit dem Masters-Programm werden erfahrene und renommierte Mitglieder der Magento-Familie besonders geehrt.

Ein großes Fragezeichen steht lediglich bei der Frage nach der „Cloud“-Edition im Raum, die laut offizieller Website zum Magento-Kernprodukt avanciert ist. Mir ist eine solche Cloud-Version noch nicht in freier Wildbahn begegnet und ich habe nur gehört, dass es sich dabei um von Magento selbst gehostete Shop-Instanzen handeln soll. Das klingt nachvollziehbar, denn es ist unwahrscheinlich, dass aus Magento nebenbei ein vollwertiges, horizontal skalierendes Multi-Tenant-System gemacht wurde. Da mag ich mich aber irren und bitte um Feedback und Korrekturen in den Kommentaren.

Intershop:

Als börsennotiertes Unternehmen hatte Intershop erst kürzlich wieder die Pflicht, die Jahresergebnisse 2016 zu präsentieren – Fluch und Segen zugleich möchte man sagen. Die Zahlen sind ernüchternd: Insgesamt sind die Umsätze um 20% im Vergleich zum Vorjahr gefallen, Sorgenkind sind dabei vor allem die fehlenden Lizenz-Erlöse. Mit mehr Engagement in den Bereichen B2B und Cloud soll diese Lücke laut Aussage des Vorstandsvorsitzenden wieder geschlossen werden.

Außerdem:

  • CTO Sebastian Betz erläutert bei Kassenzone den technischen Aufbau hinter der Mode-Plattform ABOUT YOU, mit mittlerweile mehr als 100 ITlern betreut wird. Als ich vor ungefähr 2,5 Jahren mit Sebastian einen Podcast aufgenommen habe, dürften es weitaus weniger gewesen sein.
  • Der Artikel A Digital Ecommerce Transformation – Front End Madness beschreibt ein IT-Setup, das fast schon lustig wäre, wenn darunter nicht Menschen aus Fleisch und Blut leiden müssten. Joel Crabb, VP Architecture bei Target beschreibt eindrucksvoll, mit welchen Hürden Entwickler tagtäglich zu kämpfen haben, die Oracles ATG Commerce warten und erweitern müssen. Gruselig.

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #82: Essen auf Rädern und Cloud-Mogelpackungen

Kinders, wie die Zeit vergeht. Hier im Rheinland herrscht der Karneval, und bevor das Netz zusammenbricht, weil alle Welt Karnevalshits über Spotify streamen, hier ein kurzes Update.

HelloFresh, der Essens-Lieferservice, bei dem man die Mahlzeiten „nur“ noch kochen muss, ist mir mit zwei Beiträgen aufgefallen, in denen es um die Technik im Hintergrund geht. In ihrem Engineering-Blog geht’s um neue Organisationsstrukturen für Entwickler und Ops – also um Gilden, Squads, Tribes & Co. – und um den Aufbau der APIs und Microservices im Hintergrund.

Wer sich bezüglich Spryker auf den neuesten Stand bringen möchte, sollte sich diesen Blog-Post bei Kassenzone ansehen (888 Tage Spryker). Dort sind auch Interviews verlinkt, in denen CEO Boris Lokschin  gewohnt kurz und pointiert über das Produkt und die Markteinschätzung spricht.

Außerdem: Kelly Goetsch von commercetools hat sich in zwei Beiträgen intensiv mit dem Thema Cloud beschäftigt und fragt, warum im E-Commerce oft nicht Cloud drin ist wo Cloud draufsteht:

Last but not least möchte ich noch eine aufschlussreiche und gut gemachte Präsentation zum Thema Microservices von Uwe Friedrichsen verlinken.

Alaaf und schönes Wochenende!

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #77: OroCommerce erreicht Version 1.0, Shopware-Entwicklerhandbuch

Wieder mal eine Woche rum und damit Zeit für eine kurze Shoptech-Bestandsaufnahme:

Vor zwei Tagen wurde OroCommerce in der Version 1.0 veröffentlicht und ist damit auch offiziell reif für den Produktiv-Einsatz. Das Projekt wurde im April 2015 unter anderem mit diesen Worten vorgestellt:

OroCommerce will focus on being an open source best-in-class commerce platform, with tools specifically for the B2B online sales market. These B2B-specific tools will include support for multiple price lists, a simple yet customizable quote to order process, quick order forms, multi-business support, and corporate customer account management. We combine these B2B-centric features with personalization, localization to multiple countries, currencies and languages, intelligent marketing tools and a powerful reporting and segmentation engine.

Begonnen hatte „Oro“ ursprünglich als B2B-CRM, das 2012 vom Magento-Mitgründer Yoav Kutner initiiert wurde. Nachdem Magento 2011 an eBay gegangen war, hatte er das Unternehmen verlassen, um sich mit einigen anderen Ex-Magentoianern dem Thema CRM mit einer ähnlichen Strategie zu widmen, die ab 2008 Magento zu seinem Siegeszug verholfen hatte: umfangreiches Feature-Set, einfach zu bedienende Backend-Tools und natürlich die Dual-Lizensierung (OpenSource- sowie kommerzielle Enterprise-Version).

Außerdem:

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

TWiST #76: Wenn das Jahr langsam aufwacht

Es ist mehr als ein Jahr her, dass ich den letzten „TWiST“ veröffentlicht habe. Und auch wenn ich mich im jüngsten Jahresrückblick etwas despektierlich über den Mangel an Bewegung im Shopsystem-Markt geäußert habe, halte ich es trotzdem für wichtig, regelmäßig den Blick umherschweifen zu lassen – und wenn es nur dazu dient, der eigenen Bequemlichkeit entgegenzuwirken. Im schlimmsten Fall schreibe ich dann einfach: Nix passiert 🙂

Steffen Heilmann, Bereichsleiter IT von myToys beschreibt in seinem Rückblick die Lessons Learned des vergangenen Jahres. Er spricht über verschiedene technische Herausforderungen (Live-Gang neuer Shop, Einführung von Payback, Eröffnung zwei neuer Geschäfte, etc.) und beleuchtet, wie sich etwa die Entwicklungsmethodik geändert hat und welch hohe Bedeutung Kommunikation bei IT-Projekten hat. Mit Steffen haben Martin und ich vor einiger Zeit einen Podcast aufgenommen, in dem wir genauer auf die Struktur bei myToys eingehen.

Wo wir gerade bei Jahresrückblicken sind – auch von Carmen gibts wieder einen sehr lesenswerten, feinen Post (der Sprachwissenschaftler jauchzt!) über die letzten 12 Monate im Magentouniversum zu lesen (Liebe Grüße!).  TechDivision hat sich ebenfalls in einem längeren Beitrag Gedanken über Magento gemacht und die Entwicklung vor allem durch die Business- und Strategiebrille betrachtet – dazu passt auch das kurze Interview mit Peter Sheldon, ehemaliger Forrester-Analyst und mittlerweile VP Strategy bei Magento.

In hübschem thematischen Gegensatz – möglicherweise wird 2017 endlich das Jahr wirklich unterhaltsamer Shoptech-Kontroversen – präsentiert Kelly Goetsch, CPO bei commercetools in seinem aktuellen Artikel („25 Reasons Why Monolithic Commerce Platforms Are Obsolete„) eine umfangreiche Liste von Gründen, warum die Tage monolithischer E-Commerce-Systeme gezählt sind. Unter anderem erwähnt er lange Release-Zyklen, Probleme beim Thema Skalierung und eine ineffiziente horizontale Teamstruktur.

Alexander Graf spricht mit Antonia Ermacora (auch mit ihr hatten Martin und ich uns vor einiger Zeit über Chatbots & Co unterhalten) über Chatshopper und conversational commerce („Chantal, mach mal lauter!“). Beide diskutieren dabei, was Innovationen wie Amazons Alexa für die Zukunft des Handels bedeuten, wenn etwa die Produktvielfalt aufgrund dieser Form der Kommunikation zwangsläufig eingeschränkt sein muss – niemandem hilft es, auf die Anweisung „kaufe 2m hdmi kabel“ Dutzende Varianten zur Auwahl zur erhalten.

Zum Schluss dürfen einige kleine Veranstaltungshinweise nicht fehlen:

Etwas vergessen? Bitte lasst’s mich wissen. Ansonsten: Frohes Neues!

 

 

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).

Auf eine spannende Blog-Zukunft!

Nun ist es also soweit. Wie viele von Euch bereits erfahren haben oder sich haben denken können, bin ich seit Anfang der Woche fest bei der commercetools GmbH angestellt. Unter dem schönen Titel Industry Analyst & Content Writer werde ich dort in Zukunft das tun, was ich in den letzten 12 Monaten dort bereits als Freelancer getan habe: Den Shoptech-Markt analysieren, sowie dazu passende Inhalte konzipieren und erstellen. Das aber bringt auch ein paar Veränderungen für dieses Blog mit sich.

Unabhängiges Bloggen

In der Vergangenheit habe ich in allen Posts eine Offenlegung veröffentlicht, in denen commercetools erwähnt wurde. Ich werde auch weiter versuchen, mir einen ungetrübten Blick zu bewahren und in allem was ich tue nachvollziehbar und transparent zu bleiben. Und wer weiß, vielleicht bringt diese neue Perspektive ja auch Vorteile mit sich? Wie es sich entwickelt, wird die Zeit zeigen, ich bin gespannt.

Podcasts

Änderungen kommen bestimmt auch auf die ShopTechTalks zu. Bislang habe ich versucht, ein möglichst buntes Spektrum an Gesprächspartnern vor das Mikrofon zu bekommen, um mit ihnen eine Stunde lang über unterschiedliche Aspekte der Shoptech-Welt zu parlieren. Wird mir das unter den neuen Voraussetzungen weiter gelingen? Schwer zu beurteilen, aber ich würde mich freuen wenn es klappt.

Die Zeit

Derzeit investiere ich Einiges an Zeit, um via RSS-Feeds, Alerts und Twitter den Überblick über die Entwicklungen der Shoptech-Welt zu behalten und sie freitags in den TWiSTs zu verarbeiten. Dazu kommt der Aufwand für die ShopTechTalks.  Eine Podcast-Ausgabe nimmt inklusive Terminabstimmung mit Kandidaten, Vorbereitung, Aufnahme und Schnitt mindestens einen halben Tag in Anspruch. Ob ich mir auch in Zukunft diese Zeit nehmen kann, kann ich aktuell noch nicht sagen. Wahrscheinlich wird es etwas ruhiger werden – der letzte Podcast ist ja auch schon einige Monate alt.

In welcher Frequenz auch immer, eins ist sicher: ShopTechBlog wird nicht zu einem commercetools-Verlautbarungsorgan, sondern bleibt mein (Privat)-Vergnügen, dem ich hoffentlich noch ausreichend Aufmerksamkeit widmen kann.

Shoptech-Innovationen

Vor zwei Jahren wollte ich wissen, ob von den klassischen Shopsystem-Anbietern grundlegende Innovationen ausgehen können. Vor einem Jahr habe ich diese Frage für mich verneint und zeitgleich die Chance bekommen, für commercetools und damit einem Anbieter zu arbeiten, der einen vollkommen anderen Ansatz wählt.

Heute bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass wachstumsorientierten Händlern und Marken mittel- und langfristig nichts anderes übrig bleibt, als sich von klassischen, starren Architekturen zu lösen und verteilte, flexible Ansätze zu wählen. Natürlich habe ich diesbezüglich ein gewisses Maß an selektiver Wahrnehmung. Es beschäftigen sich aber bereits genug große Händler und Marken, Shoptechnologie-Anbieter, Agenturen und Analysten mit den Themen Entkopplung von Frontend und Backend, SaaS/PaaS/IaaS, APIs und Microservices, um von einem Paradigmenwechsel im internationalen Commerce-Umfeld sprechen zu können.

Es sind also vor allem Unternehmen wie commercetools (sic!), Mozu und Shopify sowie das jüngst ins Leben gerufene Newstore, die derzeit Innovationen vorantreiben. Sie wurden „Post-iPhone“ konzipiert und berücksichtigen mobile und sonstige Zugangsarten nativ, anstatt ein mobiles Theme hier und eine API dort nachträglich anzuflanschen. Fast noch entscheidender: die Genannten bieten einen Service an und zwingen ihre Nutzer nicht zu On-Premise-Lösungen, die regelmäßig gewartet und aktualisiert werden müssen.

Magento, OXID & Shopware

Was heißt das nun für die anderen Systeme, allen voran Magento, OXID und Shopware, die schon aus meiner eigenen Historie heraus den Kristallisationspunkt dieses Blogs gebildet haben? Offen gestanden halte ich es für immer weniger interessant, die Entwicklungen dieser drei im Kern zu beobachten – je tiefer ich in die SaaS-Welt einsteige, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen ihnen. Wenn ein strategisch denkender Händler oder Hersteller mit ausreichend Sachverstand und Budget auf eine kompetente Agentur und einen versierten Hoster trifft, lassen sich mit allen diesen Systemen vernünftige Lösungen erstellen, die auch bis zu einen gewissen Grad skalieren.

Shopware scheint derzeit den besten Run zu haben: Das Unternehmen setzt seine aktuelle Version mit dem Trend- und Wachstumsthema „Content Commerce“ gekonnt in Szene, ist gerade in ein neues, eigenes Firmengebäude gezogen und stellt in der KMU-Zielgruppe hierzulande das Maß der Dinge dar. Solange sich die Schöppinger nicht mit ihrer Enterprise-Strategie verzetteln, sind sie für mich auch die einzigen der drei Kandidaten, denen ich in Zukunft ein tragfähige SaaS-Konzept zutrauen würde.

Magento läuft und läuft. Die Community ist so groß, die Freundschaften so intensiv und die Projekte so lukrativ, dass sich niemand ernsthaft nach Alternativen umsieht oder umsehen muss. Nachdem das Unternehmen seit einigen Tagen wieder komplett selbstständig ist, scheint die Geschäftsführung geradezu betrunken von sich selbst und den Perspektiven der Lösung:

From this day forward, our competition will no longer be able to hide from the power of the Magento platform. We now have a strong, independent voice. We will unleash the full power of the Magento brand. We will flex the full power of our global ecosystem to accelerate our leadership position as the world’s leading commerce platform.

Mit Magento 2, das nach langer Verzögerung tatsächlich bald Realität zu werden scheint, verpasst sich Magento eine Frischzellenkur, hält jedoch an vielen überholten Architekturentscheidungen fest. Aber wie so vieles im Magento-Universum wird auch das erfolgreich weggelächelt.

Um OXID muss man sich ernsthafte Sorgen machen. Schon seit längerer Zeit arbeiten die Freiburger an einer neuen Version Ihres Systems. Eine zeitlang war der Aufbau eines neuen Backends auf Symfony-Basis im Gespräch, aktuell scheint man sich auf einen API-basierten Ansatz zu konzentrieren. Das Unternehmen profitiert noch von einem weitläufigen, professionellen Partnernetzwerk, vielen verschiedenen Standard-Integrationen und einem großen Stamm renommierter Kunden, pumpt aber derzeit nichts Eigenes in sein Ökosystem. Auch bezüglich der eigenen Positionierung befindet man sich in einem Dilemma: Von „unten“ drückt Shopware, das zunehmend für Shop-Umsatzgrößen im zweistelligen Millionenbereich berücksichtigt wird, „oben“ sitzen Lösungen wie hybris, die die wirklich großen Budgets verbuchen können.

Fazit

Mit diesem Blog geht es weiter. Der Kontext verschiebt sich, der Fokus wahrscheinlich auch. Zweifellos gibt es im Shoptech-Bereich viel zu diskutieren, und ich bin auch gerne weiterhin dabei!

Roman Zenner ist schon seit 2001 im E-Commerce aktiv. Er hat führende Fachbücher zu bekannten Shopsystemen verfasst, publiziert regelmäßig in Fachmagazinen zu E-Commerce-Technologie und arbeitet seit 2015 als Industry Analyst & Content Writer bei commercetools (REWE-Gruppe).