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Händler 2017: Nobelpreis oder Bürgermeister-Handschlag?

Letzte Woche fand in Berlin das commerce special der code,talks statt. Martin und ich hatten bereits vor Ort ein paar Gedanken dazu aufgenommen und in einem Podcast veröffentlicht. An dieser Stelle möchte ich aber noch auf zwei Dinge eingehen, die mir im Nachhinein noch aufgefallen sind:

Vorbilder oder Folklore?

Wie würden sich Teilnehmer eines Schreibwettbewerbs eines Deutsch-Leistungskurses fühlen, wenn ihre zarten Schreibversuche direkt und ungefiltert mit dem Gesamtwerk Thomas Manns verglichen würden? Auf der einen Seite nobelpreisgekrönte Weltliteratur, auf der anderen Seite Sätze aus dem Grammatik-Bergwerk? Dieser Gedanke drängt sich mir immer auf, wenn ein E-Commerce-Experte die Bühne betritt, eine pointiert formulierte Exegese der GAFA-Ökonomie vornimmt und ein Publikum aus ganz „normalen“ Händlern vor sich hat. Wie sinnvoll sind derartige Vorträge letztlich? Eine kleine Twitter-Umfrage, die ich während des Tom-Tailor-Vortrags dazu gestartet hatte, blieb diesbezüglich uneindeutig:

Man kann dazu mehrere Perspektiven einnehmen: Zum einen haben große Marken eine Vorbildfunktion – sieh‘ mal, was ich schaffen kann, wenn ich smart bin und mich anstrenge! Ohne Zweifel können Vorträge internationaler Player, die über ihre Strategien referieren, durchaus inspirieren und Mitarbeitern das letzte und entscheidende Argument liefern, ihren Chef endlich endlich von einer agilen Arbeitsweise (und den anderen tollen buzzwordigen Dingen) zu überzeugen. Und letztlich braucht ja jede Branche seine Helden und Legenden.

Möglicherweise gibt es auch schlicht und einfach keine bühnenfähigen Beispiele kleinerer und mittelständischer Marken und Händler? Ist es möglich, dass ihre täglichen Aufgaben und Probleme so bekannt und banal sind und ihnen schlicht und ergreifend die Antworten fehlen, die Inhalt eines sinnvollen Vortrags wären? Wenn ich etwa von der Komplexität meiner Daten erschlagen werde und meine Prozesse nicht in den Griff bekomme, welchen Mehrwert kann ich dann meinen Zuhörern noch bieten, die die gleichen Probleme haben und meinen Vortrag mit einer Hoffnung besuchen, endlich eine konkrete Lösung zu erfahren?

Eine dritte Variante: Informationen über die pfiffigen Strategien und Lösungen kleinerer Händler sind nicht einfach zu erhalten und benötigen mehr Recherche-Aufwand aufseiten des Vortragenden. Wer auf Bühnen und in den sozialen Medien in Dauerschleife den Claim „Händler müssen zu Tech-Unternehmen werden“ mit den Beispielen Amazon und Zalando untermauert, wird naturgemäß eine Menge an Quellmaterial finden und gleichzeitig das wohlige Gefühl haben, sich in guter Experten-Gesellschaft zu befinden und eine progressive Meinung zu vertreten.

Äpfel und Birnen

Angelehnt an die obige Problemstellung ist auch die nach den zugrundeliegenden technischen Lösungen. Während die einen über die Frage diskutieren, wie genau man den Umfang von Microservices und den dahinterliegenden Teams definiert, beschäftigt die anderen, ob ein Update des Kernsystems auch die Funktionsweise des eigens geschriebenen Payment-Moduls beeinflusst. Stellen die einen permanente Agilität und Innovationsbereitschaft in den Vordergrund, betonen die anderen Stabilität und Kontinuität. Ein internationaler Händler mit Milliardenumsätzen hat überraschenderweise mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen als ein regionaler Anbieter.

Besonders anschaulich wird das an dem Konzept der Microservices: Während etwa Kelly Goetsch von commercetools auf dem Shopsystem-Panel engagiert die These vertritt, dass großen Händlern keine andere Möglichkeit bleibt, Agilität wiederzuerlangen, als mittel- und langfristig auf Microservices zu setzen, vertritt Pierluigi Meloni von OXID eSales ebenso engagiert die Gegenthese, dass diese nur für mehr Komplexität sorgen und letzten Endes nur ein aufgeblasener Hype sind. Mal davon abgesehen, dass ich diese Art von Kontroversen persönlich sehr schätze, weil sie dem üblichen Feelgood-Klima dieser Panels entgegenwirken, glaube ich, dass diese Diskussion unbedingt geführt und sozusagen eine Synthese gefunden werden muss. Challenge accepted 😉

TWiST #70: Die Technik hinter ABOUTYOU-Deals, Intershop mit neuem Vorstandschef

Schon wieder ist es Freitag und damit an der Zeit, erneut den Blick über die vergangenen ShopTech-Tage schweifen zu lassen.

Im ABOUTYOU-Developer-Blog gibt es einen neuen, umfangreichen Artikel über die Technologien und das Projekt-Setup hinter und für die neue Deal-Seite des Unternehmens aus dem Otto-Umfeld. Innerhalb einer Projektlaufzeit von 2 Monaten wurde eine komplett auf OpenSource-Komponenten basierende neue Applikation konzipiert, umgesetzt und gelaunched. Beim Frontend machte man sich eine Kombination von AngularJS und prerender.io zunutze, im Backend kam Zend Framework 2 zum Einsatz, dem mithilfe von apigility eine eigene REST-API spendiert wurde.

Nach dem Ausscheiden des Intershop-Finanzvorstands Ludwig Lutter vor einigen Wochen hat das Unternehmen nun auch das Ausscheiden des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Jochen Moll bekanntgegeben. Seine Aufgaben sollen vom bisherigen CTO Dr. Jochen Wiechen übernommen werden.

Und: Vor Kurzem habe ich in dieser neuen Veröffentlichung von Shopanbieter ein paar Worte zum Thema OpenSource-Shopsysteme gesagt.

Außerdem:

TWiST #59: Pinterest führt Kaufen-Button ein

Es ist wieder Freitag, also höchste Zeit, auf die ShopTech-Geschehnisse der vergangenen Woche zurückzublicken.

Mit großem Interesse schaut die Branche derzeit in Richtung Pinterest, die für die nächsten Wochen eine neue Commerce-Strategie in Form von buyable pins angekündigt haben. Mit dem Angebot, das zunächst nur in den USA und auch nur auf iOS-Geräten verfügbar sein soll, führt das Unternehmen einen Kaufen-Button ein, über den sich ein gepinntes Produkt direkt aus der Applikation bestellen lässt.

Beim Start sollen ungefähr 2 Millionen Artikel auf diese Weise erhältlich zu sein, dazu arbeitet man mit Händlern wie Macy’s, Neiman Marcus und Nordstrom zusammen. Technisch abgewickelt soll der Verkauf über Demandware und Shopify werden, als Payment-Provider sind Braintree und Stripe im Gespräch.

Außerdem:

 

 

TWiST #54: Shopware 5 veröffentlicht, Intershop bekommt Millionen-Kredit

Wie an jedem Freitag gibt es auch heute einen Blick auf das, was in der vergangenen ShopTech-Woche alles geschehen ist:

  • Shopware 5 wurde Anfang der Woche veröffentlicht. Bei t3n und Handelskraft hat man sich die neueste Version des Shopsystems aus Schöppingen genauer angesehen.
  • Das Land Thüringen will dem kränkelnden Jenaer Shopsystem-Hersteller Intershop mit einem Kredit von € 6 Millionen unter die Arme greifen.
  • Der SaaS-Shop-Anbieter Bigcommerce soll in Kürze Zing übernehmen. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das unter anderem ein Warenwirtschaftssystem für den stationären Handel entwickelt.
  • Auf Planet OXID wurde ein Artikel über das Datenbank-Design von OXID veröffentlicht.
  • Im seinem Tech-Blog beschreibt das UX-Team von Zalando im Detail, wie das neue Shop-The-Look-Feature umgesetzt wurde.

Veranstaltungen:

  • Bei der OXID-Usergroup Leipzig stellen Agenturen am 5. Mai interessante Module vor.
  • Nächstes Wochenende, am 9.-10. Mai, findet in Berlin der ecomhack 2015 statt. Unter dem Motto „Personal Commerce“ arbeiten Teilnehmer mit APIs unter anderem von Google, PayPal, SPHERE.IO und Zalando sowie Hardware von estimote und relayr.
  • Vom 1.-3. Juni steht in Berlin die DevOpsCon mit Themen wie Docker, Infrastructure as Code, Continuous Delivery, Cloud und Lean Business im Kalender.

TWiST #53: B2B is the new black

Veranstaltungsbedingt erst an diesem Montag – die APIDays in Berlin waren wirklich eine zeitraubende Angelegenheit – der kurze Blick auf die vergangene ShopTech-Woche.

OXID eSales hat eine neue B2B-Variante seines Shopsystems vorgestellt. Zu den Funktionalitäten heißt es in der offiziellen Presse-Mitteilung unter anderem:

B2B-Kunden definieren in der Kunden-Selbstverwaltung unter anderem interne Benutzergruppen sowie Geschäftsregeln und steuern Budgets mühelos. Zusätzlich profitieren sie von der personalisierten Kundenumgebung, die kunden­spezifische Kataloge, Angebote und Preise zeigt.

Zuletzt hatte OXID durch wenig erfreuliche Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht und es bleibt abzuwarten, ob die Konzentration auf das B2B-Geschäft den erhofften Um- bzw. Aufschwung bringt. OroCommerce, das neue Projekt der ehemaligen Magento-Gründer, will sich ebenfalls auf dieses Segment konzentrieren – empfohlen sei hier Carmens Beitrag dazu und der aktuelle B2B-Beitrag auf Handelskraft. PR-technisch scheinen die Kalifornier dabei – wieder einmal – die Nase vorn zu haben.

A propos Magento: Anfang letzter Woche fand mit der Imagine 2015 die eBay/Magento-Hausmesse in Las Vegas statt. Matthias Zeis hat die wichtigsten Tweets der Teilnehmer zusammengefasst.

Parallel hat Projekt Collins in Hamburg die ersten Geschäftsergebnisse veröffentlicht. Genaue Zahlen wurden nicht genannt, es soll sich jedoch um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln. Kritisch kommentiert wurde das Ausscheiden von Benjamin Otto als Geschäftsführer, das bei dieser Gelegenheit ebenso verkündet wurde (Wenn sich Benjamin Otto auf Kosten von Collins profiliert).

Weiterhin hat Shopify angekündigt, an die Börse gehen zu wollen. Die Veröffentlichung der Börsenunterlagen nimmt Exciting Commerce zum Anlass, die Umsatzentwicklung von Shopify mit der von Demandware zu vergleichen, einem Unternehmen, das ja ebenfalls mit einem SaaS-Produkt seit einigen Jahren an der Börse notiert ist.

Außerdem:

TWiST #41: Ein paar Termine und eine Shopsystem-Studie

Wie in jeder Woche: Der Freitag ist da und wir schauen uns an, was in den letzten Tagen in der ShopTech-Welt geschehen ist.

  • Neue Termine für die OXID-Usergroup sind verfügbar. Außerdem erläutert Rüdiger Nitzsche von gn2, mit welcher Entwicklungsumgebung sein Team arbeitet.
  • Z-Ray-Debugging-Tools für Magento, Drupal und WordPress wurden veröffentlicht.
  • Elasticsearch wird unter anderem bei der Elasticsearch User-Group in Berlin (27.01), beim Search Meetup Karlsruhe (29.01.), der OOP-Konferenz in München (29.01) und beim Search Meetup München (05.02.) thematisiert.

Und zum Schluss in eigener Sache: Im letzten Jahr habe ich an einer Shopsystem-Studie (Shopsysteme in Deutschland 2015) zusammen mit dem EHI gearbeitet  – diese kann man jetzt vorbestellen.

TWiST #40: Neue Termine, neue Association

Und wieder mal ist die Woche fast um – höchste Zeit, im komprimierten Format auf das zurückzuschauen, was in den letzten Tagen in der ShopTech-Welt geschehen ist:

Die unvergleichliche Frau Bremen hat wieder einen schönen Beitrag aufs Parkett gelegt, in ihrem MagentoJahresrückblick 2014 beschreibt sie unterhaltsam, was die wichtigsten Stationen des Systems bzw. der Community im letzten Jahr waren. Joshua Warren macht sich derweil Gedanken über die Frage, ob und wie Entwickler den Übergang von Magento 1 auf 2 hinsichtlich Zertifizierungen meistern können, und die neu geschaffene Meet Magento Association wird in Zukunft als Non-Profit-Organisation die Veranstaltung lokaler Meet-Magento-Events vorantreiben. Außerdem gibt es einige neue Stammtisch-Termine und ein paar Eindrücke vom Magento Developers Paradise, das in dieser Woche stattgefunden hat. Schließlich: ein wie gehabt umfangreicher Überblick über das Magento-Ökosystem von Matthias Zeis.

Bei OXID kann man zukünftig das zum Pushen eigenen Codes ins OXID-Repo nötige OXID Contributor Agreement auch über einen Online-Service unterschreiben. Die Usergroup Nürnberg öffnet außerdem am Ende des Monats wieder ihre Türen.

Außerdem:

  • Auf der Elasticsearch-Seite wurde ein umfangreiches Tutorial zum Thema Aggregations veröffentlicht.
  • Im eBay-TechBlog ist nachzulesen, wie man dort mit Hadoop-Clustern umgeht und unter Berücksichtigung der Häufigkeit von Datennutzung die eigene Performance optimiert.
  • Interessanter Artikel über die Frage, wie und ob OpenSource-Datenbanksysteme langfristig ihre kommerziellen „großen“ Brüder ernsthaft in Bedrängnis bringen könnten.
  • Im Blog von SPHERE.IO finden sich eine Reihe von wichtigen Events für das Commerce-Jahr 2015. (Offenlegung)