Archiv der Kategorie: Plattformen

TWiST #82: Essen auf Rädern und Cloud-Mogelpackungen

Kinders, wie die Zeit vergeht. Hier im Rheinland herrscht der Karneval, und bevor das Netz zusammenbricht, weil alle Welt Karnevalshits über Spotify streamen, hier ein kurzes Update.

HelloFresh, der Essens-Lieferservice, bei dem man die Mahlzeiten „nur“ noch kochen muss, ist mir mit zwei Beiträgen aufgefallen, in denen es um die Technik im Hintergrund geht. In ihrem Engineering-Blog geht’s um neue Organisationsstrukturen für Entwickler und Ops – also um Gilden, Squads, Tribes & Co. – und um den Aufbau der APIs und Microservices im Hintergrund.

Wer sich bezüglich Spryker auf den neuesten Stand bringen möchte, sollte sich diesen Blog-Post bei Kassenzone ansehen (888 Tage Spryker). Dort sind auch Interviews verlinkt, in denen CEO Boris Lokschin  gewohnt kurz und pointiert über das Produkt und die Markteinschätzung spricht.

Außerdem: Kelly Goetsch von commercetools hat sich in zwei Beiträgen intensiv mit dem Thema Cloud beschäftigt und fragt, warum im E-Commerce oft nicht Cloud drin ist wo Cloud draufsteht:

Last but not least möchte ich noch eine aufschlussreiche und gut gemachte Präsentation zum Thema Microservices von Uwe Friedrichsen verlinken.

Alaaf und schönes Wochenende!

ShopTechTalks #25: Lizards & Pumpkins (en)

Nach fast 1,5 Jahren heißt es an dieser Stelle endlich wieder: Es gibt eine neue Ausgabe der ShopTechTalks! (Für die, die es noch nicht wissen, sei kurz erwähnt, dass ich nicht ganz verstummt bin, aber an anderer Stelle aktiv war und immer noch bin – hier geht’s zu den commercetalks.)

In dieser Episode geht’s um Lizards & Pumpkins, einer PHP-basierten, alternativen Katalog-Applikation um, vereinfacht gesagt, Shops schneller und besser skalierbar zu machen. Die Applikation ist Open Source und steht auf Github zum Download bereit, zusammen mit einer Developer-VM.

Mit den Köpfen dahinter, nämlich den  Magento-Veteranen Tim Bežašvíli – mit dem ich vor gut 2,5 Jahren bereits eine Episode aufgenommen hatte (ShopTechTalks #4: Magento – Past, Present & Future (en)) – Fabian Blechschmidt und Vinai Kopp habe ich mich in lockerer Runde unterhalten. Es geht unter anderem um die Themen API-first, warum es eine gute Idee ist, mit „rohem“ PHP zu arbeiten und die Strategie, große Anwendungen schrittweise zu verbessern, anstatt „hart“ von der einen zur  anderen Standardlösung (und zurück?) zu migrieren.

(NB: The interview is held in English, only the intro is in German.)

„Tea. Earl Grey. Hot.“ – Amazon und die Sternenflotte

Die ursprüngliche Crew der USS Enterprise – wir einnern uns, die mit Kirk, Spock und Scotty – war schon in der ersten Staffel technologischer Vorreiter. War man in der realen Welt der 60er noch mit Schreibmaschinen zugange, erledigten die Sternenflotten-Offiziere ihre täglichen Arbeiten mittels Tablet-artigen Geräten und kommunizierten mit dem allwissenden Bordcomputer mittels des omnipräsenten Codeworts „Computer“ (wie oft der Enterprise-Computer sich angesprochen fühlte, weil in lockerer Konversation „Computer“ gesagt wurde, ist leider nicht überliefert.)

Aber nicht nur Informationen über sonderbare Planeten und fremde Waffensysteme riefen Kirk & Co. auf diese Weise ab. Sie nutzen diese Art der Mensch-Maschine-Verständigung ebenfalls zu rein „privaten“ Zwecken, etwa wenn Captain Jean-Luc Picard zu seinem Replikator – einer Art 3D-Drucker für Lebensmittel – schritt und sich mittels des Kommandos „Tea. Earl Grey. Hot.“ sein Lieblingsgetränk bestellte. Alles in allem waren Bordcomputer und andere derartige Systeme auf der USS Enterprise allgegenwärtig. Niemand kam auf die Idee, lange Befehle einzutippen um beispielsweise eine interstellare Google-Suche zu starten.

Bleibt nur noch die interessante Tatsache hinzuzufügen (und dann sind wir mit dieser langen Herleitung auch durch), dass die meisten Lebewesen im Star-Trek-Universum das Thema Kapitalismus und Geldverdienen weitgehend hinter sich gelassen hatte – lediglich die Ferengi waren gierige Händlertypen, hatten jedoch große Ohren und fiese Zähne und reichten schon allein optisch, geschweige den moralisch, nicht an die idealistischen Offiziers-Helden in ihren schicken Uniformen heran. Technologie – folglich auch der allgegenwärtige Computer – war ein der Allgemeinheit nützliches Gut und diente allein dem Zweck, das galaktische Leben so komfortabel wie möglich zu machen.

Star-Trek-Technologie im 21. Jahrhundert

Heutige Anwender nutzen  einen Teil dieser Technologie bereits. Die Rede ist hier von den kleinen Akustik-Interfaces, die als Googe Assistant, Microsoft Cortana, Apple Siri und allen voran natürlich Amazon Echo derzeit Furore machen. Die Grundidee: Wie auf der Enterprise wird eine Technologie verwendet, die akustische Befehle in natürlicher Sprache verstehen und bestimmte Aktionen ausführen kann. Verknüpft man die entsprechenden Apps, lesen die  Geräte Wetterberichte vor, regeln die Heizungstemperatur, spielen Musik oder, wie im Fall von Amazon, lassen die Benutzer Produkte in den Warenkorb legen.

Das klingt erst einmal nach einer guten Idee. Das Fernsteuern seiner digitalen Welt per Stimme ist sehr viel schneller und natürlicher, als sein mobiles Gerät zu zücken und dort herumzuwischen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es beispielsweise für blinde bzw. ähnlich eingeschränkte Menschen eine große Erleichterung ist, Technologie auf diese Weise zu nutzen. Und letztlich nutzen wir bei commercetools diese Geräteklasse auch, um zu verdeutlichen, wie wichtig eine API für den Handel der Zukunft sein wird  – diese unterscheidet nämlich nicht, ob eine eingehende Bestellung aus einem Webshop, einer mobilen App oder eben aus einem Gerät wie Echo & Co. stammt.

Amazon lauscht immer (oder: der Paranoia-Absatz)

Es könnte also alles gut sein, wenn mir nicht neulich dieser kleiner Satz von der offiziellen Amazon-Echo-Produktseite aufgestoßen wäre:

Tucked under the light ring is an array of seven microphones that use beam-forming technology and enhanced noise cancellation. With far-field voice recognition, Echo can hear you ask a question from any direction—even while playing music.

Wir haben da also ein Gerät, das mit sieben Mikrofonen Sprache selbst bei schwierigen akustischen Bedingungen empfängt und interpretiert. Das in unserer Wohnung steht, mit dem Internet und unserem persönlichen Amazon-Konto verbunden ist. Und das immer aktiviert ist, weil es ja auf das Code-Wort „Alexa“ hören muss. Merkt Ihr schon, oder?

An Kameras haben wir uns mittlerweile gewöhnt, im Smartphone tragen wir sie mit uns herum, am Rand des Notebooks schauen sie uns an. Doch zumindest haben wir das Gefühl einer Kontrolle, weil man die Linsen noch sieht und gegebenenfalls abkleben kann – wie Mark Zuckerberg jüngst in diesem bekannten Foto.

https://www.hackread.com/wp-content/uploads/2016/06/Mark-Zuckerberg-Tape-Facebook-Instagram-1-796x398.jpg

Mikrofone hingegen sind unsichtbar und nehmen Töne komplett unbemerkt auf. So geschehen etwa vor knapp zwei Jahren bei Samsung SmartTVs, die ebenfalls Gespräche aufgenommen und die Daten an ihre zentrale Spracherkennung geschickt hatten.

Amazon argumentiert, dass sein Echo Sprachdaten nur dann versendet, wenn die Übertragung durch das Code-Wort tatsächlich gestartet wird. In der Tat hat das Unternehmen, was Datensicherheit angeht, einen sehr guten Leumund – nicht umsonst betreibt gefühlt die ganze Welt ihre Applikationen auf der AWS-Infrastruktur. Der Software im Echo wird von Sicherheitsexperten bislang ein gutes Zeugnis ausgestellt und ein Auseinandernehmen des Dash-Buttons für den vergangenen 33C3 hat ebenfalls keine gravierenden Sicherheitslücken zutage gefördert. Trotzdem bleiben drei Punkte, die jeder bedenken sollte, der sich einen Echo in die Wohnung stellt.

  1. Je mehr dieser Geräte verkauft werden (nach diesen Angaben sind bereits mehr als 5 Millionen davon über die Ladentheke gegangen), desto attraktiver werden sie als Ziel für Hackerangriffe bzw. desto wertvoller werden damit im Zusammenhang stehende Zero-days.
  2. Auch von staatlicher Seite entwickeln sich naturgemäß Befindlichkeiten: Es braucht nicht viel Fantasie sich vorzustellen, dass im Rahmen der Ermittlungen von Straf- und Sicherheitsbehörden auch eine Überwachung über Echo & Co. angeordnet wird – der versuchte Zugriff des FBI auf die Sicherheitsinfrastruktur des iPhone ist uns allen noch gegenwärtig.
  3. Als Wirtschaftsunternehmen ist Amazon seinen Anteilseignern verpflichtet, das Überwinden von Kommunikationshindernissen sowie das Ermöglichen von Teilhabe ist nicht das erste Unternehmensziel. Und wenn sich durch Weitergabe und besondere Auswertung von Sprachdaten der Weg zur ersten trillion dollar company der Wirtschaftsgeschichte ebnen lässt -warum nicht?

 

Fazit

Zugegeben, das war ein ungewöhnlich tiefer Griff in die Paranoia-Kiste  – ungewöhnlich auch deswegen, weil ich selbst ansonsten eher offen mit meinen Daten umgehe und mich täglich mit einem hübschen Zoo an Gadgets umgebe. Trotzdem habe ich das Gefühl, dem teilweise unreflektierten Fanboyism der Branche allgemein und einiger Experten-Kollegen im Besonderen etwas entgegensetzen zu müssen – freue mich über einen regen Gedankenaustausch. Ach, wenn nur Jean-Luc das lesen könnte …

Kaffee. Schwarz. Bitte!

TWiST #67: Neue Darsteller auf der ShopTech-Bühne

Es ist mal wieder Freitag und damit Zeit, auf die Geschehnisse der letzten Tage zurückzublicken. Da diese kleine, feine Kolumne letzte Woche urlaubsbedingt aussetzen musste, rücken gleich zwei Wochen in den Fokus.

Spannendes tut sich derzeit auf dem Shoptechnologie-Markt. Zwei neue Anbieter sind allem Anschein nach kurz davor, ihre jeweiligen Angebote der Öffentlichkeit vorzustellen. Neben dem Timing ist beiden gemeinsam, dass es sich nicht um gänzlich neu erstellte Lösungen handelt, sondern dass bereits existierende Best-of-Breed-Lösungen gebündelt werden.

Der Intershop– und Demandware-Gründer Stephan Schambach schickt mit Newstore ein solches neues Bündel ins Rennen. In Kombination mit der Backend-/Warenwirtschafts-Lösung GoodsCloud, der Mobile-Web-App-Technologie CouchCommerce sowie dem mobilen Kassensystem OrderBird wird Gerüchten zufolge eine neue Lösung für die Digitalisierung des Handels entstehen. Bedenkt man, dass Demandware und Goodclouds bereits Technologiepartner sind, ist es wahrscheinlich, dass hier ein Bündel geschnürt wird, das Demandware näher an die stationären Händler rücken soll – auf Basis einer hauptsächlich mobil getriebenen Frontend-Technologie (nicht umsonst heißt es wohl daher auf der Newstore-Website derzeit „Your future at NewStore is just a finger tap away…“). Weitere Informationen und Zusammenhänge hat Handelskraft zusammengestellt.

Joscha Krug, Gründer und Geschäftsführer der Agentur marmalade und Thomas Lohner, Geschäftsführer des Hosting-Providers SysEleven werkeln derweil im Hintergrund an ihrer neuen Lösung namens ScaleCommerce. Das soll eine Best-Practice-Lösung sein, die sich vor alle auf die Trennung von Front- und Backend konzentriert:

Die Trennung in zwei Applikations-Teile hat sich im E-Commerce zum Trend entwickelt, ist bisher jedoch nur für die größten Shops mit eigenen Entwicklungsteams realisierbar. ScaleCommerce ermöglicht diese Lösung künftig auch kleineren Shops, in dem nur einzelne Teile des Frontends ausgetauscht werden. Dieser minimalinvasive Ansatz ergänzt bestehende Shopsysteme wie OXID, Shopware und Magento.

Es wird gemunkelt, dass ONGR.IO die technische Basis für das ScaleCommerce-Angebot sein wird. Dabei handelt es sich um das von Lars Jankowfsky initiierte, quelloffene und auf Symfony 2 basierende High-Performance-Frontend, um das es zuletzt etwas ruhiger geworden war.

Außerdem:

TWiST #59: Pinterest führt Kaufen-Button ein

Es ist wieder Freitag, also höchste Zeit, auf die ShopTech-Geschehnisse der vergangenen Woche zurückzublicken.

Mit großem Interesse schaut die Branche derzeit in Richtung Pinterest, die für die nächsten Wochen eine neue Commerce-Strategie in Form von buyable pins angekündigt haben. Mit dem Angebot, das zunächst nur in den USA und auch nur auf iOS-Geräten verfügbar sein soll, führt das Unternehmen einen Kaufen-Button ein, über den sich ein gepinntes Produkt direkt aus der Applikation bestellen lässt.

Beim Start sollen ungefähr 2 Millionen Artikel auf diese Weise erhältlich zu sein, dazu arbeitet man mit Händlern wie Macy’s, Neiman Marcus und Nordstrom zusammen. Technisch abgewickelt soll der Verkauf über Demandware und Shopify werden, als Payment-Provider sind Braintree und Stripe im Gespräch.

Außerdem:

 

 

ShopTechTalks #20: ecomhack 2015 revisited

Logo ShopTechTalksIn this edition of the ShopTechTalks podcast, Boris Bügling and Christian Blomberg from Contentful, Martin Möllmann from Commercetools and Roman Zenner talk about ecomhack 2015, which took place a couple of weeks ago and turned out to be Europe’s biggest e-commerce hackathon. They take a closer look at Boris’/Christian’s winning ÜberSchnell app – their version of the already infamous Amazon Dash Button (more background info about their app) – and interesting developments in the IoT/wearable space.

TWiST #50: Gold Edition

Tjaha, in dieser Woche heißt es zum 50. Mal: „Nach guter alter Tradition schauen wir uns auch an diesem Freitag wieder an, was in der vergangen Woche so alles in der Shoptech-Welt passiert ist.“ Wären der Autor und das Blog ein Paar, würden wir also Goldhochzeit feiern. Aber da die Zeit knapp ist und ich weder dem Anlass angemessen gekleidet noch ausreichend rasiert bin, geht es hier ohne Sektkorken ganz normal weiter. Über Blumen, edle Schokolade oder ein paar aufmunternde Worte in den Kommentaren würde ich mich natürlich trotzdem freuen 🙂

In dieser Woche fand die Internet World statt, auf der sich naturgemäß auch ein paar Shopsystembetreiber präsentiert haben. Neben Shopware, die die neue Version ihrer Software im Gepäck hatten, von der es mittlerweile einen Release-Candidate zum Testen gibt, waren auch OXID und Commercetools vertreten.

Vor einigen Tagen fand ein Webinar zum neuen Release-Candidate von Magento 2 statt. Bei den Magenticians findet sich eine ausführliche Zusammenfassung. Weitere Informationen aus dem Magento-Universum bei Matthias Zeis.

Außerdem: