Das war 2012

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Es ist ja gerade Saison, deswegen auch von mir an dieser Stelle ein kleiner und latent verspäteter Jahresrückblick. Leider war das vergangene Jahr, was die journalistische Verwertbarkeit des Commerce angeht, eher langweilig. Aber lesen Sie selbst.

Januar

Das Commerce-Jahr 2012 wird hierzulande von den Bewegungen zweier großer klassischer Einzelhändler eingeleitet. Der eine namens Schlecker muss erkennen, dass schikaniertes und schlecht bezahltes Personal in gammeligen und uninspirierten und -inspirierenden Filialen kein langfristig tragfähiges Geschäftskonzept bilden.

Der andere versucht den Sprung in die Online-Welt gleich zum zweiten Mal: Die Rede ist von Mediamarkt, der unter mediamarkt.de einen kleinen Teil seines Angebots nun auch online verkaufen will. Mit einem Layout und einer Usability, die an Websites vergangener Jahre erinnert, einem reduzierten Angebot – zum Start sind nur ca. 2.500 Artikel verfügbar, in einem durchschnittlichen Mediamarkt können Kunden 45.000 Artikel kaufen – und einer merkwürdigen Preispolitik – die Online- und Offline-Preise sind komplett identisch – wird der Launch in der Branchenpresse verrissen. Ich selbst habe auf ecomPunk von einem Webshop-Alibi gesprochen, bei Handelskraft bewertet man ihn mit Viel Tamtam für wenig Leistung und der Twitter-Stream jener Tage spricht ebenfalls Bände. Ein kurzer Blick auf die Seite zeigt: Verändert hat sich im Laufe des Jahres nichts Offensichtliches.

Februar

Im Rheinland tobt der Karneval.

März

Die erste Konferenz des Jahres, die ich gemeinsam mit den Kollegen von ecomPunk besuche, ist die Exceed 2012 in Berlin (hier die Berichte von Tag 1 und Tag 2). Als Innovations- und Startup-Messe steht dort vor allem das Thema gender innovation auf der Tagesordnung, also die Frage, inwieweit sich das Geschlecht auf die Art des Online-Kaufs auswirkt. Und da – und das ist keine neue Erkenntnis – in den allermeisten Fällen Männer am Werk sind, wenn es um die Planung und die technische Umsetzung von E-Commerce-Projekten geht, kommt die weibliche Art des Shoppens zu kurz. Mit dem Begriff digital prosecco habe ich versucht, den genuss- und erlebnisorientierten Ansatz des Kaufens zusammenzufassen. Ebenfalls spürbar bei dieser Veranstaltung ist die Meldung, dass unter dem Namen Project A Ventures ehemalige Rocket Internet-Mitarbeiter einen von Otto finanzierten Inkubator gegründet haben, dessen Geschäftsführer auf der Bühne interviewed werden.

Im neuen Jahr findet die Exceed am 12. und 13. März statt.

Unweit der Kalkscheune, dem Veranstaltungsort der Exceed 2012, werden im Bundestag bzw. in der Koalition zwei Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht, die Online-Shops und  die Web-Branche in den nächsten Monaten noch beschäftigen sollen: Die sogenannte Button-Lösung und das Leistungsschutzrecht.

April

Instagram wird von Facebook für 1 Mrd. US-Dollar gekauft; für ziemlich genau den gleichen Betrag könnte man eine Stadt wie Aachen ein Jahr lang unterhalten. Dafür besitzt Facebook jetzt eine App, die Fotos aus hochmodernen und -auflösenden Handykameras aussehen lässt, als wären sie in den 70ern geschossen worden. (Instagram wird später im Jahr noch versuchen, wagemutige Nutzungsbedingungen zu etablieren.)

Am Ende des Monats gibt Neckermann in einer Pressemitteilung bekannt, dass zukünftig der Druckkatalog eingestellt werden soll. Wie die Geschichte endet ist bereits Geschichte.

Außerdem gibt Yoav Kutner, einer der Gründer des Shop-Systems Magento (im letzten Jahr von eBay gekauft), seinen Rücktritt bekannt. Die Gründe dafür werden nie richtig veröffentlicht, es wird aber gemutmaßt, dass eBays fehlendes Verständnis von open und community den Ausschlag gegeben hat.

Mai

In diesem Monat wird standesgemäß eine geschmückte Birke vor dem Haus installiert. Außerdem reise ich quer durch die Republik, um die Meet-Magento und die OXID Commons zu besuchen, zwei völlig unterschiedlicher Konferenztypen für zwei völlig unterschiedliche Shopsysteme. Einschneidendes findet auf der Bühne nicht statt, Einprägsames jedoch auf den Gängen und während den Abendveranstaltungen.

Juni

Die Shopsystem-Tour wird mit dem Besuch des Shopware Community Day abgerundet. Ich darf auf der Bühne einen Vortrag halten, ein Panel moderieren und anschließend westfälische Gastfreundschaft genießen.

Unter dem Codenamen “Projekt Fokus” stellt Otto auf seiner Bilanzpressekonferenz vor, wie der Konzern den Herausforderungen des Marktes begegnen will. In einer treffenden Analyse schreibt Jochen Krisch von einem schizophrenen Bild, das der Traditions-Versender bei der Formulierung seiner strategischen Ziele abgibt.

Facebook geht an die Börse und beweist eindrucksvoll, wie man im Vorfeld Erwartungen schüren und im Nachgang viel Kapital vernichten kann

Juli

Nur wenige Monate nach Bekanntgabe der “Kataloglos-Strategie” (s. April) meldet Neckermann Insolvenz an, nachdem der Eigentümer Sun Capital kein weiteres Kapital mehr zur Verfügung stellen will/kann. Damit endet die Ära eines der größten hiesigen Versandunternehmen nach mehr als 60 Jahren und wirft die plakative Frage auf:  Wer holt sich die Neckermann Umsatz-Milliarde?

August

Die Button-Lösung ist Gesetz, der Verbraucherschutz feiert damit einen Sieg, der über das Ziel hinausgeht und die E-Commerce-Lobby stellt ihre Machtlosigkeit zur Schau.

September

Mein persönliches #fail dieses Jahres: nicht die Zeit gefunden zu haben, bei der K5vorbeizuschauen und damit die relevanteste Konferenz unserer Branche zu verpassen. Bleibt, mir die Fotos (12) meines Punk-Kollegen Kai anzusehen und den Termin für 2013 vorzumerken: 12. – 13. September

Oktober

Frankfurter Buchmesse: Durch das Projekt ocelot.de mitten in der Buchbranche gelandet, sehe ich mich dort um um festzustellen, wie die Branche tickt und was es an Entwicklungen gibt. Mein persönliches Highlight: der txtr beagle, den es hoffentlich bald hierzulande zu kaufen gibt.

November

Das Wetter war durchwachsen.

Dezember

Der Douglas-Konzern wird vom amerikanischen Investor Advent International übernommen. Und mehr Leute kaufen Weihnachtsgeschenke online

Wie gesagt, Spannendes ist in diesem Jahr nicht passiert. Wo auf Konferenzen und Branchenblogs bereits die nächste Ära des E-Commerce eingeläutet ist und neue Entwicklungen diskutiert werden, beschäftigen sich die meisten Markteilnehmer mit ganz klassischen Problemen: Software- und Dienstleisterauswahl, um die eigenen Produkte im Web zu präsentieren – ganz klassisch. Ein rundherum gut funktionierender, ansprechend gestalteter Onlineshop, in dem Prozesse sauber abgebildet sind und der effektiv weiterentwickelt wird, ist immer noch die Ausnahme. Das Fatale daran: in vielen Bereichen ist der klassische Shop, an dem sich viele abarbeiten, längst nicht mehr das adäquate Mittel, um langfristig erfolgreich zu sein …

Auf ein spannenderes, textreicheres 2013!

(Bild: pexels.com)

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