Magentos Wohlfühl-Community?

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In seiner treffenden Analyse des eBay-/Magento-Deals kommt Jochen Krisch auch auf die Bedeutung der internationalen Magento-Community zu sprechen:

Andererseits muss man festhalten, dass man selten eine so handzahme Community gesehen hat wie bei Magento. Und man fragt sich, wann sich die Magento-Community, so sie denn für die Zukunft von Magento überhaupt noch eine Rolle spielt, endlich emanzipiert und mehr Einfluss auf Strategie und Produktentwicklung einfordert.

In der Tat hat es eine richtig ernstzunehmende “Revolution” in der Community bislang nicht gegeben. Dabei gibt es bei denjenigen, deren täglich Brot Magento mittlerweile darstellt, durchaus eine Bauchschmerzliste. Beispielsweise ist man immer noch weit entfernt von einer transparenten Kommunikation mit Magento, genauer gesagt den Core-Entwicklern. Es gibt keine klare Roadmap, die die Entwicklung des Systems – und damit vor allem das Beheben der Bugs – planbar machen würde. Entwickler von Extensions und diejenigen, die Lokalisierungen pflegen, werden somit von Software-Updates mehr oder weniger kalt erwischt und können nur reagieren. Auch bei anderen Dingen besteht Verbesserungsbedarf, die ich auch des öfteren in diesem Blog beschrieben habe und mich damit regelmäßig als Magento-Querulant geriere.

Die mangelnde Aufmüpfigkeit hat meiner Meinung nach mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist, dass – nachdem dieses komplexe System von Entwicklern einmal vollumfänglich verstanden worden ist – man nun längerfristig diese Software einsetzen und es sich nicht mit den Machern oder Teilen der Community verscherzen möchte. Die Nachfrage von guten Magento-Entwicklern wird nur von der nach fähigen App-Programmieren übertroffen, und zusammen mit dem Bedarf an Schulung und Beratung – bei dem ich selbst auch ein Teil bin – ist das Magento-Umfeld ein lohnenswertes Geschäft.

Außerdem hatte die Magento-Community sowieso zu keinem Zeitpunkt ernsthaften Einfluss auf die Software, weder in strategischer noch in technischer Hinsicht. Der Core wird ausschließlich von Magento gepflegt und weiterentwickelt, externe Entwickler können lediglich Patches und Bug-Reports einsenden ohne letztlich zu wissen, ob und wie diese eingesetzt werden. Magento 2.0, über das vielerorts spekuliert wird, wird ebenfalls ausschließlich von Core-Entwicklern konzeptioniert und wohl auch umgesetzt – eine aktive Mitwirkung der Community sieht anders aus.

Die einzige Möglichkeit, etwas Grundlegendes zu ändern wäre, das Projekt zu forken, wie es auch anderenorts nicht unüblich ist. Hier hat es aber noch keine ernstzunehmenden Versuche gegeben, was vor allem daran liegt, dass dies ein sehr arbeitsintensives Unterfangen mit zweifelhaftem (wirtschaftlichen) Nutzen wäre.

Es bleibt also festzuhalten: so groß der Ärger über Magento an einigen Stellen auch sein mag, so alternativlos ist das System für die meisten – kein fruchtbarer Boden für Revolutionen.

(Bild: pexels.com)

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3 Antworten auf Magentos Wohlfühl-Community?

  1. Nick Weisser sagt: 22.02.11 um 09:22 Magento selbst ist bereits die Revolution, deshalb ist es auch so erfolgreich! Bei der Imagine Konferenz traf ich Rhonda (Twitter @rondata), die neue Community Managerin, und bin überzeugt, dass Sie einiges bewegen wird.Bei der Developer Unconference wurden einige sehr ungemütliche Fragen an die russischen Core Entwickler gestellt, die dann teilweise von Yoav, dem Magento CTO, so beantwortet wurden, dass man tatsächlich das Gefühl hatte, dass Magento sich darüber bewusst ist, welch entscheidende Rolle die Community im Magento Ecosystem spielt. Ich denke hier werden wir durchaus noch die eine oder andere positive Überraschung erleben.
  2. Rico Neitzel sagt: 24.02.11 um 23:09 Wo ist eigentlich der TrackBack zu meinem Antwort-Artikel unter Magento und die sogenannte “Wohlfühl”-Community LG rico
  3. Roman Zenner sagt: 28.02.11 um 05:35 @Rico Öhm … ich hab nix zensiert, sagen wir’s mal so  Hat dein WP denn den Trackback richtig abgesetzt?

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