Recap: code.talks 2014 in Hamburg

code.talks 2014In der vergangenen Woche fanden im Cinemaxx Hamburg die zweitägigen code.talks 2014 statt – mit 1500 Teilnehmern nach eigenen Angaben die größte Entwickler-Konferenz in Europa. Organisiert wurde die Veranstaltung, die unter dem Namen „Developer Conference“ 2011 erstmalig veranstaltet wurde, von der Collins GmbH, die unter anderem derzeit mit der ABOUT-YOU-Plattform von sich reden macht.

Nach anfänglichen logistischen Schwierigkeiten – 1500 T-Shirts mit den Namen der Teilnehmer sind nicht so einfach verteilt – konnte die Konferenz in den insgesamt 8 Kinosälen beginnen. Das Themen waren breit gefächert und nicht nur auf E-Commerce beschränkt. In den insgesamt 112 Talks ging es unter anderem um DB-Technologien, den Einsatz von WebAPIs, Responsive Webdesign und verschiedenste Prozesse bzw. Automatisierungen.  Am interessantesten waren dabei meiner Meinung nach die Vorträge, bei denen die Referenten im weitesten Sinn aus dem Nähkästchen plauderten. Stellvertretend für die Vielzahl von Vorträgen seine hier zwei erwähnt, andere werden im Laufe der nächsten Wochen besprochen bzw. vertieft.

Company refactoring

Lars Jankowfsky und Thorsten Rinne berichteten auf sehr unterhaltsame Weise von einem Refactoring-Project, bei dem bezüglich Personal, IT-Struktur und Software-Qualität so ziemlich alles hinterfragt und überarbeitet werden musste, was es zu überarbeiten gab. Abgesehen von einem Refactoring und teilweisem Rewrite des Cores wurde auch das technische Team im Zuge des Projektes geschult und umstrukturiert und das komplette Management ausgetauscht. Die beiden Referenten ernteten Lacher aus dem Publikum aufgrund der teilweise schon sehr absurden technischen Lösungen, die sie mit Augenzwinkern präsentierten:

Vor allem das Thema Daten-Persistierung war in der Ursprungsversion so schlecht gelöst, dass die Suchfunktionalität praktisch nicht mehr genutzt werden konnte und eine Neu-Indizierung der Datenbank bis zu 36 Stunden dauerte.

Interessant war auch anhand dieses Projekts zu sehen, wie parallel der Betrieb des alten Systems gesichert und gleichzeitig Code für die nächste Ausbaustufe produziert wurde. Dabei wurde sichergestellt, dass alle Entwickler sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen System arbeiten durften/mussten, um einerseits Kontinuität zu gewährleisten und andererseits Frust zu vermeiden.

Alles in allem trägt der Umbau, der über ein Jahr gedauert hat, bereits Früchte: Das Geschäft entwickele sich bei deutlich reduziertem Personal- und Hardware-Aufwand positiv.

„Speed“ bei Rocket Internet

Ebenfalls für reges Interesse im großen Saal 1 sorgte Christian Hardenberg, Global CTO bei Rocket Internet. In seinem Vortrag „Speeding up Code, Webpages and Teams at Rocket Internet“ stellte er vor, wie das Thema Performance bei dem deutschen Inkubator gehandhabt wird und berichtete, mit welchen Maßnahmen die weltweiten Shops der gegründeten Unternehmen kontrolliert und optimiert werden. In einem Live-Beispiel analysiere er vor diesem Hintergrund mit dem Inspector-Tool von Google Chrome die Website des Gastgebers.

Hardenberg sprach auch über Fälle, in denen man sich aufgrund des engen Launch-Zeitplans auf die Erstellung eines Frontends konzentriert habe, während als Backend Google Docs hat herhalten müssen, das man in diesem Zusammenhang auch einmal „gecrashed“ habe. Überhaupt seien Website-Launches in dem Stakkato, das man von RI kennt, nur möglich, in dem man sich sehr enge Deadlines steckt – typischerweise seien dies 3-Monats-Zeiträume.

Bezüglich der Beschleunigung von Projekten betonte er den Vorteil von Teams mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die man gemeinsam und „an einem Tisch“ an Projekten arbeiten lassen sollte, anstatt die Arbeitspakete der Beteiligten künstlich aufzuteilen und sie womöglich an unterschiedlichen Orten abarbeiten zu lassen.

Als Fazit aus dem engagierten Vortrag lässt sich ziehen, dass Rocket Internet mit vorhandener Standard-Technologie und durch effiziente Strukturen einen größtmöglichen Nutzen für sich und seine Unternehmen erzeugt, ohne an jeder Stelle das Rad neu zu erfinden oder erfinden zu müssen.

Außerdem …

Zwei dermaßen vollgepackte Tage in ein paar Absätzen zu beschreiben wird der hervorragend organisierten Veranstaltung natürlich nicht gerecht, und ich werde mich bemühen, in den nächsten Wochen weitere Themen aus Hamburg aufzugreifen bzw. Material zu verlinken.

Ein Zwischenfazit an dieser Stelle: In Hamburg ging es nicht nur um E-Commerce oder um ein spezielles Shop-System – und das war auch gut so. Auf diese Weise hatte jeder Teilnehmer die Chance, über den Tellerrand hinauszuschauen und wertvolle Hinweise von angrenzenden Fachbereichen zu bekommen. Wenn nur wenige Meter voneinander entfernt Vorträge über CoreOS, ArangoDB, Scala.js und Swift stattfinden, ist eine derartige technische Horizonterweiterung unvermeidlich.

Unsicher bin ich mir hingegen noch bei der Frage, ob es einen entsprechenden Austausch auch unter den Teilnehmern selbst gegeben hat. Zwar ergeben sich in den Warteschlangen vor den Popcorn-Ausgaben immer mal wieder Gespräche, aber das Nebeneinandersitzen in abgedunkelten Kino-Sälen – die ja per Definition Ruhe vor der Leinwand einfordern – in Kombination mit einer weitgehend anonymen, 1500 Personen umfassenden Gruppe von Mit-Besuchern – ist nicht gerade ideal für ein Kennenlernen bzw. für fachliche Diskussionen. Möglicherweise lassen sich in Zukunft Formate finden, die in dieser Hinsicht die Kommunikation fördern.

Wie dem auch sei: Die code.talks sind ein wichtiger Bestandteil des jährlichen Commerce-Curriculums, den ich den Lesern/Hörern gerne ans Herz legen möchte.

6 Gedanken zu „Recap: code.talks 2014 in Hamburg

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