Ein E-Commerce-Tag in Franken

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Hätte mir jemand Anfang des Jahres erzählt, ich würde 9 Monate später bei der SPD in Bayern stehen und einen Vortrag über die Trends im E-Commerce halten, hätte ich betreffende Person nur leicht ungläubig angesehen. So hat es sich aber zugetragenen beim Shoptreffen Süd in Nürnberg, und ich möchte diese Stunde auf der Rückfahrt zwischen Frankfurt und Köln nutzen, um einmal laut über das Erlebte nachzudenken.

Ich bin vom Organisator des Events eingeladen worden, eine Vortrag über das zu halten, was in meinen Augen die aktuellen Trends im E-Commerce darstellen. (An dieser Stelle sei dies auf einen kurzen Nenner gebracht: Alle Shopping-Konzepte, die den Nutzer bewusst und den Mittelpunkt rücken, sind diejenigen, die aktuell am erfolgreichsten sind und dies auch in Zukunft verstärkt sein werden – dazu aber an anderer Stelle mehr.) Im Karl-Bröger-Haus, das, wie sich an dem in Gips gegossenen Willy Brand neben dem Eingang unschwer ablesen ließ, die örtliche Parteizentrale der SPD beherbergt, sollte das Shoptreffen stattfinden. Neben einer Reihe von Anbietern Onlineshop-naher Dienstleistungen wie Payment, Rechtsberatung etc. – den üblichen Verdächtigen ist man versucht zu sagen (einen schönen Gruß an den E-Commerce-Wanderzirkus in diesem Zusammenhang) – sollten natürlich die Shopbetreiber im Mittelpunkt stehen. Dass dies sich in diesem Fall anders gestaltet sollte, wurde schon am Eingang klar: Im effektiv luftaufbereiteten und modern eingerichteten Konferenzsaal -ein Lob an die Genossen! – gab es viel zu viele leere Stühle;das Dienstleister- und Referenten-Personal überstieg in der Menge das der angereisten Shopbetreiber um ein Vielfaches. Dort, wo man einen mittelgroßen Parteitag hätte abhalten können, fand sich an diesem sonnigen Samstag im Mittelfränkischen ein Publikum in der Menge zweier Fußballmanschaften samt Trainerstab ein.

Vor diesen gelichteten Rängen spulten die Referenten die bekannte Mischung aus Sachvortrag und Eigenwerbung ab und trugen meinem Eindruck nach wenig zum Erkenntnisgewinn der anwesenden Shopbetreiber bei (vermutlich muss ich selbst einen Teil dieser Kritik auf mich nehmen, gänzlich Revolutionäres hatte ich ebenfalls nicht zu berichten). In diesem Zusammenhang konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die E-Commerce-Branche den Shopbetreiber zwar als Kaufmann ansieht, dies aber eher im Zusammenhang des Kaufens ihrer Leistungen und des Etablierens des digitalen Status Quo tut. Es wird ein weiches Bett aus verschiedensten Dienstleistungen bereitet, in das sich ein Shopbetreiber nur zu legen braucht, um sich wirklich und gänzlich dem zuwenden zu können, um das es geht: der geschickten Ein- und Verkauf von Waren und die Ansprache des Kunden. Dass aber das Bereiten dieses E-Commerce-Bettes viele Shopbetreiber von ihrer eigentlichen Arbeit abhält, scheint dabei den Wenigsten abzuhalten.

Glücklicherweise durfe ich die Betreiber zweier Online-Shops kennenlernen, die sich allen Unkenrufen und Dienstleister-Dauerfeuer zum Trotz doch auf den freundlichen und persönlichen Umgang mit den eigenen Kunden konzentrieren sowie durch gewiefte Import-Taktiken ihre Gewinne optimieren. Diese und andere Gespräche sowie das Knüpfen von Kontakten waren es letztlich, die die insgesamt 9 Stunden Bahnfahrt und das Übernachten in dem denkbar hellhörigsten Hotel der Republik zu einem lohnenswerten Unterfangen gemacht haben.

Für die Zukunft wünsche ich mir im E-Commerce ein Veranstaltungskonzept, das die Kompetenz der Anwesenden bündelt und echten, nachvollziehbaren Mehrwert für die anwesenden Shopbetreiber darstellt. Entsprechende Ideen habe ich bereits vor Ort angebracht (Michael und Siegmar, das geht auch an Euch!), ich hoffe, dazu bald etwas Konkreteres schreiben zu können.

(Bild: pexels.com)

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