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Open Commerce: Die Shopping-Apps von Projekt Collins

Lange hat die E-Commerce-Szene gewartet, es wurde spekuliert und vermutet. Seit vorgestern herrscht Gewissheit: Das bislang unter dem Namen Projekt Collins bekannte Otto-Spin-Off startet unter dem Namen aboutyou.de ein neues App-Ökosystem für die Fashion-Branche. Laut eigener Aussage sind eine technische Plattform und rund 50.000 Artikel verfügbar, auf deren Basis findige App-Entwickler ihre eigenen Shop-Ideen aufbauen können. Geld verdienen lässt sich dabei über ein Provisionsmodell: Für Transaktionen, die über die eigene App abgewickelt werden, gibt es eine entsprechende Gewinnbeteiligung.

Das Kalkül hinter diesem Ansatz: Anstatt sich bezüglich innovativer Impulse nur auf das eigene Team zu verlassen, lagert man die Ideen-Findung und –Umsetzung an externe Entwickler aus und investiert in ein Software-Ökosystem. Ähnlich wie bei der Erfolgsgeschichte von Apples App-Store steht also das „enabling“ von Dritten im Vordergrund, man verabschiedet sich von einer ausschließlich zentralen Steuerung.

Technisch funktioniert aboutyou.de über verschiedene Schnittstellen, die App-Entwickler verwenden können, um ihre Projekte umzusetzen. Dabei hat das Team aus Hamburg scheinbar keine Kosten und Mühen gescheut, es gibt APIs für iOS und Android genau so wie für PHP und Ruby. Damit steht eine enorme Technologie-Bandbreite zur Verfügung, die ersten Apps sind bereits zusammen mit dem Launch veröffentlicht worden. So können beispielsweise Mann oder Frau mit der App Nachteule ab sofort nachsehen, welches Outfit  man in einem bestimmten Club tragen sollte und ermöglicht gleich die Bestellung.

Plattform- und best-in-class-Ansatz als Innovationsmodell

Angesichts der derzeit geführten Debatte, die sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie der nächste Innovations-Schub im E-Commerce aussieht und von wem er ausgeht, ist die strategische Ausrichtung hin zu einer App-Plattform bemerkenswert. Hier ist ein Händler bereit, in ein Team zu investieren, das im Laufe eines Jahres eine eigene, native Technologie aus der Taufe hebt. Man verlässt sich damit weder auf eine standardisierte (Shop-)Software, noch plant man die eigenen Handelsaktivitäten am Reißbrett. Stattdessen stellt man eine gehostete Plattform zur Verfügung, auf deren Basis neue Anwendungen programmiert werden können.

Der Developer-Bereich von aboutyou.de

Der Developer-Bereich von aboutyou.de

Aboutyou.de stellt dabei nicht nur die technische Plattform zur Verfügung, sondern kümmert sich auch um die Dinge im Hintergrund. Angefangen von der Zahlung über den Versand der Waren bis hin zum Retourenmanagement übernimmt man die notwendigen Prozesse. Der App-Entwickler, so die Überlegung, konzentriert sich auf das, was er am besten kann, nämlich die Umsetzung einer App-Idee und das Erstellen eines passenden User-Interfaces: Best-in-class anstelle eines Technologie- und Prozess-Overkills.

Vor diesem Hintergrund lässt sich schon jetzt festhalten, dass Technologie-Anbieter wie CouchCommerce sich in bester Gesellschaft befinden. Auch hier treibt man die Entwicklung der eigenen Plattform voran und ist auf einen Kern fokussiert, nämlich dem Bereitstellen einer Web-App, die das jeweils verwendete mobile Gerät optimal unterstützt. Damit wird dieser Service zu einer Komponente einer Gesamt-Architektur, die die E-Commerce-Aktivitäten von Händlern im Hinblick auf die mobile Nutzung effektiver unterstützt als monolithische Shop-Systeme, die nach der Methode „jack-of-all-trades, master of none“ konzipiert und weiterentwickelt werden.

Ausblick

Bei aller Euphorie: Aboutyou.de ist offiziell erst zwei Tage online und es wird sich zeigen, ob die Plattform technisch das zu leisten im Stande ist, was man auf der Website lesen kann. Jetzt kommt es darauf an, in Entwicklerkreisen schnell genug Traktion zu gewinnen und im Hinblick auf Dokumentation und Support das Ökosystem bestmöglich zu unterstützen. Derzeit gelangt man an die relevanten Informationen nur nach Registrierung bzw. Freischaltung:

Aktuell erhalten wir sehr viele Anmeldungen und möchten uns jede Anmeldung vor der Freischaltung anschauen. Bitte habe deshalb Verständnis dafür, dass die Freischaltung ein wenig dauert. Wir werden so schnell wie möglich Kontakt mit Dir aufnehmen.

Diese Tatsache scheint derzeit der einzige Wermutstropfen zu sein: Wer mit „Open Commerce“ Offenheit propagiert und auf das Engagement der Entwickler-Community setzt, ist gut beraten, diese auch vorzuleben.

6 Gedanken zu „Open Commerce: Die Shopping-Apps von Projekt Collins

  1. Pingback: This Week in Shop Tech (#5) -

  2. Pingback: Exchanges #49: About You, Collins und das Otto der nächsten Generationen « Exciting Commerce

  3. Pingback: Collins versetzt eine ganze Branche in Verzückung « Exciting Commerce

  4. Pingback: Exchanges-Podcast #52 zum Thema Shoptech | Shop->Tech('Blog')

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  6. Pingback: ShopTechTalks #6: ABOUT YOU (mit Sebastian Betz, CTO) | ShopTechBlog

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