E-Commerce-Roadtrip #1: E-Channels Day in München

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In dieser Woche habe ich meinen Koffer gepackt, um die Kollegen aus München zu besuchen und mir danach drei verschiedene Veranstaltungen anzusehen. Und da ich in vielen Gesprächen das Feedback bekommen haben, dass die Menschen nicht permanent Podcasts hören, sondern auch ab und an gerne Texte lesen, hier ein paar Zeilen dazu.

Meine erste Station war der E-Channels-Day von Tradebyte in der Wappenhalle München. Zum fünfjährigen Bestehen dieser Veranstaltung, die gut 500 Teilnehmer besuchten, gönnte man sich neben der Umdeutung der Abkürzung ECD in „Engage.Connect.Digitize“ auch ein komplettes Re-Branding. Das Unternehmen dahinter, das seit gut zwei Jahren zu Zalando gehört, hatte ebenfalls Grund zu feiern, Tradebyte wird in diesen Tagen 10 Jahre alt.

Der ECD konzentriert sich auf Marktplatz- und Plattform-Themen und ist in diesem Zusammenhang die erste Adresse im deutschsprachigen Raum. Das merkt man zum einen daran, dass es viele verschiedene kleinere Sessions gibt, in der sämtliche relevanten Plattform-Anbieter von Amazon und About You über Mirapodo und Galeria Karstadt Kaufhof bis zu Otto, Rakuten und Zalando ihre Partnerprogramme vorstellen. Ich selbst habe den Zalando-Track besucht (für Titel wie „Wie Zalando zum Spotify für Mode werden will“ habe ich einfach eine Schwäche) und fand mich in einem vollgepackten Raum in einer Art Selbshilfegruppe all derer, die sich als Zalando-Partner tagtäglich genau mit den Prozessen dieser Plattform beschäftigen und im Anschluss an einen kurz gehaltenen Vortrag sehr detaillierte Fragen stellten, wie etwa „wann genau bekommen wir ein Dashboard, in dem wir in Echtzeit alle uns betreffenden Retouren einsehen können“. In den anderen Sessions wird das nicht anders gewesen sein, mein Eindruck war jedenfalls, dass die meisten Besucher mit sehr konkreten Fragen und Vorstellungen nach München gekommen sind, um direkt mit den Verantwortlichen zu reden, die sie sonst womöglich nur per E-Mail oder Telefon kontaktieren können, und sich zudem mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Dementsprechend schien mir der andere, auch räumlich getrennte Teil der Veranstaltung, nämlich der Panel-und-Diskussionsbereich, fast ein wenig dürfig vom Publikum angenommen. Das ist eigentlich schade, denn die Organisatoren sowie die geschätzten E-Commerce-Kollegen Dr. Armand Farsi und Oliver Kling konnten (in Absprache mit der E-Commerce-Moderatoren-Gewerkschaft, die sich dankenswerterweise für den Schutz von Diskussionsleitern einsetzt und auf entsprechende Ruhezeiten achtet) eine Reihe von hochkarätig besetzten Panels präsentieren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir zum einen das Panel zur „digitalen Fitness“, in der Vertreter von Sport Scheck, Otto und Mustang Jeans über ihre jeweiligen Digitalisierungsprojekte sprachen. Besonders Fabian Koßmehl von Mustang hat viele interessante Details angesprochen, etwa die Migration von Magento zu Salesforce Commerce sowie die Strategie eines kleinen, internen Core-Teams, das zusammen mit externen Experten die digitalen Kanäle vorantreibt. (Mein Gefühl ist, dass wir von ihm bald noch ein paar weitere Details hören weren, stay tuned ;))

Ebenfalls gut in Erinnerung geblieben ist mir das „City-Shopping“-Panel, in dem Vertreter von Schuhe24, Zalando und Engelhorn diskutierten. Unterhaltsam und informativ fand ich dabei besonders die Beiträge von Fabian Engelhorn, der die üblichen Phrasen wie „nahtlose Kundenerfahrung über alle Kanäle hinweg“ durch konkrete Beispiele ersetzte und erläuterte, wie etwa der Betrieb von Sterne-Restaurants, einem Tesla-Store oder das Präsentieren von Fremd-Sortimenten von Kärcher oder Stiehl (die Kombination von Kettensägen und Herrenmode, das würde mich ja auch mal brennend interessieren) in den eigenen Filialen für bis zu 40% längere Aufenthaltszeit sorgen. Klar, wer isst und kärchert braucht schon mehr Zeit, und gerne würde man erfahren, ob diese Maßnahmen zu mehr Umsatz geführt haben – aber der Eindruck bleibt, dass sich hier ein traditioneller Stationärer ernsthaft und konkret Gedanken über die Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe macht, was in diesem Metier sicherlich nicht die Regel ist.

Last but not least sei die „Elefantenrunde“ mit Jochen Krisch und Alexander Graf erwähnt, die ihre Sicht auf die Portal-, Marktplatz- und Plattform-Welt erläuterten. Wer nicht regelmäßig zur Lektüre von Exciting Commerce oder Kassenzone kommt, erlebte hier eine gut komprimierte und unterhaltsam vorgetragene Zusammenfassung.

Alles in allem eine solide Veranstaltung, die ich auch im nächsten Jahr gerne wieder besuchen werde. Hier noch ein paar Verbesserungsvorschläge:

  • Location: Wenn die einzelnen Workshops und Panels an einem gemeinsamen Ort stattfänden, würde sich das Publikum sicher besser durchmischen.
  • Zu wenig Diskussion: Ich hätte mir gewünscht, dass man das Publikum mehr integriert, Saal-Mikro für etwas Q&A oder eine Feedback-App hätten gut gepasst.
  • Zu viel Diskussion: Viele aneinandergereihte Panels können ermüdend wirken – ein spritziger kurzer Impuls-Vortrag würde helfen.

Sah’s, sprach’s und reiste zur nächsten Veranstaltung.

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